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sdWerte – Geförderte, Alumni und Mentor*innen zeigen Flagge

Franziska befürwortet den Doppelpass

Wir sprachen mit Franziska, Stipendiatin im Studienförderwerk Klaus Murmann, über Staatsbürgerschaften in pluralistischen Gesellschaften. Sie promoviert an der Universität Stuttgart.

Trauerst Du der doppelten Staatsbürgerschaft nach, die Ende der 1990er Jahre in letzter Minute verhindert wurde? 

Ja! Die doppelte Staatsbürgerschaft finde ich aus zwei Gründen wichtig. Erstens ist sie ein symbolisches Bekenntnis: Ein Mensch kann an mehrere Orte gehören und mehrere Identitäten haben. Das sollte in einer Einwanderungsgesellschaft wie Deutschland selbstverständlich sein. Zweitens vereinfacht die doppelte Staatsbürgerschaft den Zugang für diejenigen, deren Lebensmittelpunkt längst hier ist. Für viele bedeutet das: sie dürfen ihre Zukunft bei Wahlen mitentscheiden, haben bessere Bildungs- und Berufschancen und leben hier mit größerer Rechtssicherheit.

Träumst Du von einer europäischen Staatsbürgerschaft? 

Jein: Persönlich hätte ich gerne einfach einen europäischen Pass. Aber die Staatsbürgerschaft ist ein kompliziertes Paket aus Identität und Rechten. Ich verstehe, dass viele Menschen aus familiären, geschichtlichen oder emotionalen Gründen an ihrer Nationalität hängen. Für mich hat Priorität, dass wir ins Gespräch über viel konkretere Dinge kommen: Wie sieht ein gerechtes Europa aus, wie ermöglichen wir Mobilität für alle innerhalb der EU, wie sichern wir Rechtsstaatlichkeit für alle EU-Bürger*innen? Die europäische Staatsbürgerschaft wird schon dann gestärkt, wenn wir die europäische Demokratie stärken.

Wie viel Vielfalt verträgt eine Gesellschaft? 

In einer wirklich vielfältigen Gesellschaft zu leben bedeutet zu akzeptieren, dass ein gutes Leben für jede*n anders aussieht. In meiner Vorstellung funktioniert eine vielfältige Gesellschaft, wenn Streitfragen nach festen Regeln demokratisch gelöst werden. Wir Staatsbürger*innen sollten, gerne kontrovers und leidenschaftlich, aber auch respektvoll und empathisch über unsere Zukunft miteinander ins Gespräch kommen. Wenn wir uns demokratisch austauschen, gemeinsam diskutieren und mit allen Lebensrealitäten in Deutschland im Blick entscheiden, kann ein Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft für alle funktionieren. 

Foto: privat