Wie bist du auf die sdw aufmerksam geworden und was hat dich an der School of Transformation besonders fasziniert?
„Das erste Mal bin ich 2016 auf einer Stipendienmesse in Gießen auf das Studienförderwerk Klaus Murmann aufmerksam geworden. Ich habe mich tatsächlich aber erst Jahre später, 2021, beworben – nachdem mein Partner in die Förderung aufgenommen wurde und ich durch erste Veranstaltungen und Gespräche mit Stipendiatinnen und Stipendiaten gespürt habe, wie viel Energie und Gestaltungswille in diesem Netzwerk steckt.
Die School of Transformation hat mich sofort begeistert, weil sie die zentralen Fragen und Sorgen unserer Generation ernst nimmt und zugleich den Anspruch hat, daraus gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Ich mag das Motto „Unternehmen ist das Gegenteil von Unterlassen“, weil es genau diesen Geist trifft: nicht abwarten, sondern selbst handeln. Die School of Transformation ermutigt, das Ruder selbst in die Hand zu nehmen und mit einem eigenen Projekt die Welt ein Stück zu verändern. Mich aktiv einzumischen, gibt mir ein Gefühl von Selbstwirksamkeit und Zuversicht sowie das Vertrauen, dass man nicht allein ist und auch kleine Schritte Wirkung entfalten können. Und den Mut, weiterzumachen, selbst wenn man manchmal gegen Windmühlen kämpft.“
Du hast mit WIRksam bereits ein eigenes Projekt gegründet. Was war der Auslöser für diese Idee – und welche Vision verbirgt sich hinter dem, was ihr mit WIRksam erreichen möchtet?
„Die Idee zu WIRksam entstand, als ich auf Instagram die Geschichte eines kleinen Dorfes im Hunsrück sah: Weil sie vom Land Rheinland-Pfalz keine 500 Euro für Weihnachtsbeleuchtung bekamen, beschlossen sie, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Heute stehen dort Windräder, Kitaplätze sind kostenlos, und das Dorf hat Rücklagen in Millionenhöhe. Diese Geschichte hat mich nicht mehr losgelassen, weil sie zeigt, wie viel entstehen kann, wenn Menschen gemeinsam an einem Strang ziehen. Mit WIRksam wollen wir genau bei solchen Beispielen ansetzen: Wir möchten Strukturen schaffen, die gemeinsame Transformation dauerhaft ermöglichen. Als ersten Schritt schreiben wir eine Transformationschallenge aus, auf die sich Gruppen mit einer Projektidee bewerben können. Drei von ihnen bekommen die Möglichkeit, mit Finanzierung und unserer Unterstützung ihr Projekt innerhalb von vier bis acht Wochen umzusetzen. Unsere Vision ist, dass sich solche Gruppen zu lokalen WIRksam Clubs zusammenschließen und ein überregionales Netzwerk bilden. Wir stellen Materialien und relevante Ressourcen wie finanzielle Fördermöglichkeiten oder technische Infrastruktur bereit und die lokalen Gruppen setzen vor Ort selbstständig Projekte um. So entsteht eine WIRksam-Community, in der Menschen voneinander lernen, sich gegenseitig helfen und gemeinsam ihren Lebensraum und -alltag gestalten. Das ‚WIR‘ in WIRksam steht dabei für die Kraft der Gemeinschaft: dafür, dass man auch mit unterschiedlichen Meinungen viel erreichen kann, wenn man sich auf gemeinsame Ziele verständigt. Damit wirkt WIRksam nicht nur lokal, sondern auch gesellschaftlich und als Gegenpol zu spaltenden Narrativen, die heute viele Demokratien herausfordern. Mehr zu WIRksam und zur Transformationschallenge unter https://wirk-sam.org/ .
Ich habe die Überzeugung, dass wir die großen Fragen unserer Zeit nicht allein lösen können, aber gemeinsam viel mehr bewirken, als wir oft denken. Genau wie die sdw junge Menschen stärkt, möchten wir mit WIRksam zeigen, wie viel Gestaltungskraft in Gemeinschaft steckt, wenn Vertrauen, Verantwortung und Tatendrang zusammenfinden.“
Let's bring it together: Inwiefern hilft dir das Stipendium in Bezug auf dein Projekt WIRKsam?Was aus deiner Förderzeit konntest du bereits auf dein Projekt anwenden? Oder andersrum gefragt: Inwiefern hat deine bisherige Erfahrung dir im Stipendium weitergeholfen?
„Es ist schwer, einzelne Punkte herauszugreifen, weil eigentlich meine gesamte Zeit in der sdw zu WIRksam beigetragen hat. Ohne die finanzielle Unterstützung wäre das Projekt in dieser Form gar nicht möglich: Sie gibt mir den Freiraum, Dinge einfach umzusetzen – eine Website zu hosten, Software zu nutzen, Prototypen zu entwickeln – ohne jedes Mal zu überlegen, ob ich mir das leisten kann. Das ist unglaublich befreiend und macht kreatives Arbeiten erst wirklich möglich.
Mindestens genauso prägend waren aber die Menschen und Veranstaltungen, die ich durch die sdw getroffen und besucht habe. In Seminaren wie der Entrepreneurship Academy oder der Start-up-Werkstatt habe ich gelernt, wie man Ideen strukturiert, Projekte agil weiterentwickelt und auch mal scheitert, um daraus zu lernen. Dieses Wissen fließt direkt in WIRksam ein, wenn wir Pilotphasen planen oder Feedback aus Gemeinden einholen, um unser Konzept weiterzuentwickeln.
Was mich aber am meisten geprägt hat, ist der Mut, Dinge einfach auszuprobieren. Die sdw ist ein Raum, in dem man experimentieren oder anecken darf und trotzdem Unterstützung bekommt. Diese Haltung hat mich befähigt, WIRksam überhaupt zu starten und dranzubleiben, auch wenn nicht alles von Anfang an durchdacht war. Und umgekehrt hat mir WIRksam geholfen, meine Rolle in der sdw noch aktiver zu gestalten: Ich bringe die Erfahrungen aus dem Projekt in Fachgruppen, Workshops und Diskussionen ein und merke immer wieder, wie viel Kraft entsteht, wenn man Wissen teilt und gemeinsam etwas aufbaut. Besonders schön ist es, meine Erfahrungen an jüngere Stipendiatinnen und Stipendiaten weiterzugeben oder sie bei der Umsetzung ihrer eigenen Ideen zu unterstützen. Denn genau darin zeigt sich für mich, was ‚wirksam sein‘ im eigentlichen Sinne bedeutet.“
Welcher Moment aus der Förderung war besonders prägend für dich und warum?
„Es gibt keinen einzelnen Moment, der für mich heraussticht. Vielmehr ist es dieses ganz besondere ‚sdwlerinnen- und sdwler-Phänomen‘, das mich immer wieder geprägt hat und bis heute verblüfft. Wenn man sich auf einer Veranstaltung begegnet, entsteht sofort ein Gefühl von Vertrauen und Vertrautheit, das ich so in keinem anderen Umfeld erlebt habe. Es ist, als würde man sich schon ewig kennen und gleichzeitig inspiriert jede Begegnung aufs Neue.
Man trifft Menschen, die alle auf ihre eigene Weise ‚krass‘ sind, viel erreicht haben, etwas bewegen wollen und sich gegenseitig in ihrer Begeisterung bestärken, anstatt sich zu vergleichen oder neidisch zu sein. Diese Mischung aus Leistungsbereitschaft, Offenheit und ehrlichem Interesse schafft eine Atmosphäre, in der man über Herausforderungen genauso offen sprechen kann, wie über Erfolge und dabei immer auf Augenhöhe bleibt. Mit sdwlerinnen und sdwlern kann ich leidenschaftlich diskutieren, völlig gegenteiliger Meinung sein und zehn Minuten später lacht man und trinkt gemeinsam ein Bier. Dieses Miteinander ist für mich wie eine zweite Familie. Ein Raum, in dem man sich sofort zugehörig fühlt, verstanden wird und nie das Gefühl hat, sich verstellen zu müssen.“
Warum sollten sich andere bei der sdw bewerben?
„Weil die sdw weit mehr ist als eine finanzielle Unterstützung – auch wenn genau diese Freiheit unglaublich wertvoll ist. Aber das eigentlich Entscheidende ist die ideelle Förderung: die Begegnungen und Räume, die die sdw schafft. Die sdw stärkt dich darin, Verantwortung zu übernehmen, deinen Weg zu finden und mutig neue Wege zu gehen, auch wenn du noch nicht weißt, wo sie hinführen. Sie bringt Menschen zusammen, die etwas bewegen wollen, ohne sich gegenseitig zu übertrumpfen.
Wer bereit ist, sich zu hinterfragen und über sich hinauszuwachsen, ist hier genau richtig. Die sdw ist ein Ort für Menschen, die sich auf den Weg machen wollen, etwas zu bewegen und sich nicht nur auf die Geradlinigkeit ihres Lebenslaufs konzentrieren.“
Ein Tipp oder Rat von dir an potenzielle Bewerberinnen und Bewerber oder auch an Gründerinnen und Gründer?
„Mein Tipp an Bewerberinnen und Bewerber:
1. Bewerbt euch! Ganz egal, ob ihr glaubt, eine Chance zu haben oder nicht. Geht rational ran und fragt euch: Was ist der Worst Case, wenn ich abgelehnt werde? Und die Antwort wird sein: Ihr habt vorher kein Stipendium und danach auch keines – ihr könnt also nur gewinnen. Daran erinnere ich mich immer, wenn ich vor einer Bewerbung stehe, und es hilft jedes Mal!
2. Denkt daran: Ein Stipendium ist keine Belohnung für gute Noten oder vergangene Leistungen, sondern ein Vertrauensvorschuss in euch als Person und in das, was ihr einmal sein und bewirken werdet. Überlegt euch also: Wer möchte ich sein, was möchte ich tun und warum? Je ehrlicher und konkreter ihr darauf antwortet, desto überzeugender seid ihr. Verstellt euch nicht! Es geht nicht darum, eine vermeintlich perfekte Rolle zu spielen, sondern darum, authentisch eure wahre Persönlichkeit und eure Träume zu zeigen.
Mein Tipp an Gründerinnen und Gründer – oder eigentlich fürs Leben:
Scheitern ist das Normalste der Welt. Nur wer bereit ist, Fehler zu machen, kann wirklich lernen und wachsen. Das ist meine Erkenntnis als Bildungswissenschaftlerin und meine Erfahrung als Gründerin. Traut euch, Risiken einzugehen, Dinge auszuprobieren und zwischendurch neu zu justieren. Die meisten guten Ideen entstehen nicht, weil jemand alles richtig oder nach Plan gemacht hat, sondern weil jemand mutig genug war, einfach anzufangen.“
