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sdWerte – Die Geschichten unserer Geförderten, Alumnae, Alumni, Mentorinnen und Mentoren

„Die Menschen, die ich in der sdw kennenlernen durfte, haben mein Leben derart nachhaltig geprägt wie kaum etwas anderes.“

Stipendiat Christopher Sitzmann wurde als bester Absolvent aus Berlin und Brandenburg ausgezeichnet. Er hat vor kurzem sein Jurastudium abgeschlossen und war von 2022 bis 2025 Stipendiat im Studienförderwerk Klaus Murmann. Wir haben mit ihm über seine Zeit im Studienförderwerk gesprochen und freuen uns, einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben.

Hallo, Christopher. Erst einmal herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung. Wie fühlt es sich an und was bedeutet dies für deinen weiteren Weg?

„Naheliegend, aber wahr: Es fühlt sich einfach gut an. Ich bin dankbar, etwas studiert zu haben, das mich begeistert und beinahe täglich auf angenehme Weise herausgefordert hat. Nichtsdestoweniger gab es auch intensivere, belastende und mit Entbehrungen verbundene Zeiten – wie Zweifel oder der Respekt vor dem ersten juristischen Staatsexamen. Am Ende mit einem guten Ergebnis und der Auszeichnung als staatlich und universitär bester Absolvent abzuschließen, bedeutet für mich vor allem eines: größere Auswahlfreiheit – also weniger notenabhängige Grenzen bei meiner Berufswahl.“

Hättest du als Schüler gedacht, dass du diesen Weg einschlägst oder sahen deine Wünsche und Pläne damals anders aus?

„Ich war ein neugieriger –andere behaupteten vor allem ein schwieriger –Schüler. Meine Schullaufbahn war dementsprechend von Höhen und Tiefen geprägt. So habe ich von der 8. bis zur 10. Klasse einen sehr bereichernden Abstecher auf die Realschule gemacht und war im Laufe der Zeit auch mal versetzungsgefährdet. Ich lernte und lerne sehr gerne, mochte es aber nicht, auswendig zu lernen. So geht es mir bis heute, weshalb ich das Jurastudium so schätze. Denn entgegen der weit verbreiteten Ansicht lässt sich im Recht vieles logisch erschließen und fallbezogen üben. Nach dem Abitur und einem Jahr im Ausland wollte ich eigentlich Wirtschaftsingenieurwesen studieren. Über eine Vorlesung im Unternehmens- und Europarecht an der TU Darmstadt im Rahmen eines Schnuppertages landete ich bei Jura. Mich hat die Begeisterung für die Abstraktion der Wirklichkeit durch den Rechtssatz und die Eloquenz der Professorin nachhaltig beeindruckt –- damals noch getragen von naiven Vorstellungen aus Film und Fernsehen wie der amerikanischen Gerichtsserie Suits. Im ersten Semester kam das Erwachen – aber auch die Begeisterung für das deutsche Rechtssystem und der Wunsch, das System des Rechts, das unser Zusammenleben regelt, zu verstehen. Aus einem kleinen Ort in Hessen kommend, empfand ich das als eine ganz andere, aber faszinierende und motivierende Welt. Dementsprechend habe ich auch nicht von Auszeichnungen oder Preisen geträumt, sondern zunächst gehofft, gut durchzukommen. Die ersten Klausuren verliefen durchschnittlich. Je mehr ich aber vom Recht als System verstand, desto mehr Sinn ergab für mich das Gesamtbild. Durch diese Erkenntnis und tolle Studienfreunde wurden auch meine Noten besser. Es lohnt sich also, dranzubleiben und nicht zu viel zu <<den anderen>> zu schauen. Kontinuität ist key.“

Das klingt wirklich inspirierend! Inwiefern spielte die Förderung bei der sdw eine Rolle in deinem bisherigen Werdegang und hast du vielleicht etwas ganz Besonderes aus der Zeit für dich mitgenommen?

„Vor allem nehme ich eine menschlich bereichernde Zeit mit. Die Förderung hat mir die Freiheit eröffnet, mich beruflich und persönlich zu entfalten. Diese Gestaltungsfreiheit und das Angebot, auch mal andere, nicht juristische Erfahrungen wie die National Model United Nations (NMUN) in New York zu machen, waren sehr prägend. Die Liste an tollen Erlebnissen könnte ich beliebig fortführen. Besonders hervorheben möchte ich, dass die Menschen, die ich in der sdw kennenlernen durfte, mein Leben derart nachhaltig geprägt haben wie kaum etwas anderes. Neben anderen tollen Menschen habe ich in dieser Zeit meine Freundin und meinen engsten Freund kennengelernt. Das empfinde ich als das größte Privileg.“

Schön, dass dich die sdw auch nachhaltig so positiv geprägt hat. Gibt es einen Rat oder ein Learning, das du anderen Studierenden mit auf den Weg geben möchtest?

„Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mehr Input beim Lernen nicht proportional zum Output in Form von Lernerfolgen ist. Für mich war ein gesunder Ausgleich zwischen Freizeit und Studium hilfreich – auch wenn ich das erst schmerzhaft lernen musste. Ganz wichtig war für mich auch die Liebe für das, was ich studiere. Darüber hinaus – aber dieser Rat ist mit Vorsicht zu genießen – hat es mir persönlich in der Examensvorbereitung geholfen, das zu machen, worauf ich gerade fachlich Lust hatte. Es gibt vermeintliche Dogmen wie: Karteikarten auswendig zu lernen, bis 20 Uhr in der Bib zu sitzen, einen sehr detaillierten Lernplan zu haben und auf keinen Fall dürfe die Examenszeit Spaß machen. Examenszeit sei schließlich Leidenszeit. Ich habe keinen dieser <<Ratschläge>> befolgt. Ich hatte einfach mehr Lust, über Recht zu diskutieren – egal ob examensrelevant oder nicht – an vielen Vorlesungen teilzunehmen, in Nebengebiete einzutauchen. Und ich wollte verstehen, warum Dinge sind, wie sie sind und ob sie nicht auch anders sein könnten. Klar: Ich habe auch viel gelernt über fünfeinhalb Jahre hinweg, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es auch mal in Ordnung ist, einfach das zu machen, was sich gerade richtig anfühlt. So sehr das nach einer Binsenweisheit klingt: Manchmal müssen eigene, neue Wege gefunden und die Verantwortung dafür getragen werden. Ansonsten würde ich allen raten, die Zeit so gut es geht zu genießen.“

Das kann man so stehen lassen. Ein paar abschließende Worte, die du gerne loswerden möchtest? Und nochmal ganz konkret: Warum sollte man sich bei der sdw bewerben?

„Ich bin unfassbar dankbar für die Unterstützung durch Freunde und Familie, die es immer wieder geschafft haben, mich gedanklich abzuholen. Außerdem bot mir das Stiftungsleben bei der sdw stets einen wertvollen Ausgleich, den ich auch bis kurz vor dem Examen regelmäßig angenommen habe.

Warum man sich bewerben sollte? Weil es sich in so vielerlei Hinsicht lohnt. Es ist unbeschreiblich – nicht, weil die berufliche und persönliche Bereicherung nicht beschrieben werden könnte, sondern weil sie erfahren werden muss. Also: einfach mal bewerben. Es lohnt sich!“

Danke, lieber Christopher, für das schöne und aufschlussreiche Gespräch. Wir freuen uns, Talente wie dich in der Förderung zu haben und wünschen dir für deinen weiteren Weg alles Gute!

Foto: privat