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Nadja ist Fan von Gemeinwohl-Ökonomie

Alumna Nadja erklärt uns, was Gemeinwohl-Ökonomie ist. Sie möchte Unternehmen auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit begleiten.

Nadja studierte Wirtschaftspsychologie an der Hochschule für Technik Stuttgart und ist jetzt für eine Unternehmensberatung tätig.

Das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt Dich seit der Jugend – warum?
Rückblickend  lassen sich zwei grundlegende Säulen der Nachhaltigkeit, nämlich Umwelt und Gesellschaft, in meiner Jugend finden. Aufgewachsen an der Schweizer Grenze, habe ich schon immer die Schönheit der Natur genossen. Im Rhein zu schwimmen, umgeben von Eisvögeln, finde ich klasse. Gleichzeitig haben mich Jugend-Ferienlager, Sternsinger und Co. geprägt.

Was ist Gemeinwohl-Ökonomie und was unterscheidet sie von CSR?
Corporate Social Responsibility (CSR) ist ein Unternehmensbereich, der sich für die gesellschaftliche und ökologische Verantwortung im Sinne nachhaltigen Wirtschaftens einsetzt. In der Umsetzung bedeutet dies leider oft nur die Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts nach GRI (Global Reporting Initiative) oder DNK (Deutscher Nachhaltigkeitskodex) und einzelne Aktivitäten wie Spendenläufe oder Sponsoring von Klimaschutz-Projekten. Die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) (mehr Infos unter https://web.ecogood.org/de/) hingegen ist eine ganz neue Art, Wirtschaft zu denken. Dann heißt das Ziel nicht „immer mehr Umsatz erwirtschaften“, sondern „das Gemeinwohl steigern“. GWÖ stellt den Menschen und die Umwelt in den Mittelpunkt. In 20 Themen bewerten sich Unternehmen selbst und sehen sofort, welche Strategieanpassungen und Maßnahmen nötig sind, um auf die nächste Stufe zu gelangen. Die (extern geprüfte) GWÖ-Bilanz zeigt transparent und vergleichbar, wie nachhaltig das Unternehmen handelt.

Können Unternehmen dann noch wirtschaftlich arbeiten?
Definitiv! Es ist auch bei der GWÖ durchaus ein Ziel, dass Unternehmen wirtschaftlich arbeiten, denn ohne Umsatz keine Löhne oder nachhaltige Produkte. Es gilt vielmehr die verschiedenen Anforderungen aus Umwelt, Gesellschaft UND Wirtschaft gekonnt zu vereinen und ein Unternehmen aufzubauen, das finanziell langfristig plant und dabei einen starken Fokus auf Mitarbeitende, Kunden, Lieferanten, Eigentümer & Finanzpartner und das gesellschaftliche Umfeld legt.

Wie treibst Du das Thema GWÖ im beruflichen Kontext voran? Welche Widerstände erlebst Du? 
Im Rahmen meiner Masterthesis habe ich die GWÖ bei der INFO GmbH eingeführt und mich ausgiebig mit Prozessen und Hintergründen beschäftigt. Was mir sehr bewusst geworden ist: Die GWÖ kann man nicht einfach so „von oben“ umsetzen. Es braucht Beteiligung der Mitarbeitenden und Diskussionen. Bei der INFO GmbH hat das richtig gut geklappt! Nun begleite ich dort auch andere Unternehmen auf dem Weg, ihr Denken und Handeln nachhaltig zu gestalten.

Deine Prognose: Wo stehen wir in 10 Jahren?
Mein Auslandssemester an der University of Auckland in Neuseeland hat mir gezeigt: Die Konsequenzen des Klimawandels wie Hitze, Überschwemmungen, Flüchtlingsströme werden wir alle – weltweit –  über kurz oder lang noch viel deutlicher spüren. In 10 Jahren wird ein grundlegender Wandel des Wirtschaftssystems m. E. nach sehr schwer. Gleichzeitig nimmt das nachhaltige Bewusstsein in der Gesellschaft zu. Ich glaube daher, dass das Engagement von Unternehmen im Bereich Nachhaltigkeit deutlich über die Erstellung des Nachhaltigkeitsberichts und einzelne Aktivitäten hinausgehen wird. Es wird um die grundlegende Frage gehen, welchen Effekt das Kerngeschäft auf Gesellschaft und Umwelt hat.


Foto: privat