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Kenneth hat Erfahrung mit rassistischen Anfeindungen

Kenneth ist ehemaliger Teilnehmer und aktueller Mentor unseres Programms Studienkompass. Der 26-Jährige arbeitet im gehobenen Dienst der Polizei und sagt: „Es ist wichtig, eine Person erstmal kennenzulernen und sich nicht von Vorurteilen leiten zu lassen.“ In diesem Satz steckt auch eigene Erfahrung: Als Jugendlicher mit vietnamesischen Wurzeln, der im östlichen Brandenburg aufgewachsen ist, waren Erfahrungen mit Rassismus für ihn leider keine Seltenheit.

Hallo Kenneth, du bist östlich von Berlin in der Nähe von Fürstenwalde aufgewachsen und dort leider mit dem Thema Rassismus in Berührung gekommen. Welche Erfahrungen hast du während deiner Jugend gemacht?

In der Gegend wurde mir oft gezeigt, dass ich anders bin, weil ich anders aussehe – mit rassistischen Sprüchen und Anfeindungen, das ging dann bis hin zu körperlichen Auseinandersetzungen. Zu dieser Zeit habe ich mir schon gewünscht, „deutsch“ auszusehen und dabei irgendwie auch die polnischen Mitbürger beneidet, denen man ihren Migrationshintergrund nicht so ansieht. Ich bin halt aufgefallen, es gab nicht so viele Jugendliche mit vietnamesischen Wurzeln in meiner Stadt.

Wie bist du damit umgegangen?

Die Gegend, in der ich aufgewachsen bin, hat halt eine krasse rechte Szene, aber zum Glück auch genauso viel Gegenwehr. Ich hatte gute Freunde, die hinter mir gestanden haben. Hass und Unterstützung glichen sich da im Alltag relativ aus.

Während des Abiturs warst du Teilnehmer in unserem Programm Studienkompass, mittlerweile bist du sogar als Mentor für das Programm tätig. Wie konnte der Studienkompass dir bei deiner Zukunftsplanung helfen, was hast du dort mitgenommen?

Ich habe viel mitgenommen und ich bin davon überzeugt, dass ich nicht dort wäre, wo ich jetzt bin, wenn ich nicht beim Studienkompass gewesen wäre. Man sieht, welche Möglichkeiten man im Leben hat. Ich habe dort viele Geschichten gehört, die nicht aus dem Bilderbuch waren, auch von Leuten, die es schwer hatten. Und es gab viele direkte Informationen in den Workshops und durch die Mentorinnen und Mentoren, das hat geholfen. Das Größte, das ich aber bekommen habe, war das Netzwerk, das ich im Studienkompass aufgebaut habe. Ich habe richtig viele Kontakte mitgenommen und gelernt, dass es immer einen gibt, der unterstützen kann – und das gebe ich jetzt als Mentor auch gerne zurück.

Nach dem Abitur und der Bundeswehr hast du eine Ausbildung mit anschließendem Studium bei der Polizei absolviert, mittlerweile arbeitest du als Polizist im gehobenen Dienst. Warum hast du dich für diesen Beruf entschieden?

Ich wollte schon immer mit Menschen zu tun haben. Ich finde jede Story für sich interessant und bin immer wieder fasziniert, wie vielschichtig die Bevölkerung ist. Die Arbeit bei der Polizei ist ein sicherer Job und ich kann Menschen wirklich helfen. Ich versuche, den Leuten zuzuhören.

Was sind deine Ziele, was möchtest du erreichen? 

Ich würde natürlich gerne Karriere machen, ich bin gerne gut in dem, was ich mache und würde auch vor dem höheren Dienst bei der Polizei nicht zurückschrecken. Auch finanzielle Unabhängigkeit ist mir wichtig. Aber darüber hinaus habe ich beim Studienkompass gelernt, dass ehrliche Selbstreflexion, Zusammenhalt und Nächstenliebe sehr wichtig sind und auch Toleranz gegenüber anderen. Diese Toleranz würde ich gerne an andere weitervermitteln. Es ist wichtig, eine Person erstmal kennenzulernen und sich nicht von Vorurteilen leiten zu lassen.


Foto: privat