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Jonas Othmann

„Bei mir gibt es immer etwas zu erzählen. Es zieht mich quasi magnetisch an, mich für andere Leute einzusetzen“, beginnt Jonas (22) aus Berlin das Gespräch.

Der junge Mann mit jordanisch-palästinensischen Wurzeln hat schon mehr bewegt und erlebt als manch andere in ihrem ganzen Leben. Und das in einer alles andere als einfachen familiären Situation, denn sein Vater starb früh, Arbeitslosigkeit war anschließend ein Thema. „Meine Eltern haben mich tadellos erzogen und nach Kräften gefördert“, ist dem jungen Mann wichtig.

Der frühe Tod des Vaters ließ ihn das Leben besonders schätzen lernen. In seinem multikulturellen Bezirk wollte der Neuköllner schließlich irgendwann etwas für junge Leute tun und sie von der Straße holen, denn dort vertrödeln viele sinnlos ihren Tag. Die Initiative buntkicktgut, eine interkulturelle Straßen-Liga, vereinte sein Hobby Fußball mit dem sozialen Aspekt. Drei Jahre lang opferte er sich dort auf. „Ich habe sehr viel Verantwortung übernommen und versucht, den Jugendlichen Perspektiven zu bieten. Gleichzeitig habe ich viel Verantwortung gegeben, indem ich sie beispielsweise zu Schiedsrichtern oder Trainern machte.“ Ein besonderes Augenmerk legte Jonas darauf, Mädchen zu integrieren, was sich anfangs sehr schwierig gestaltete. Später Erfolg: Mittlerweile gibt es die „U13 + U15girls“. Dennoch wurde Jonas von diesem Engagement ein wenig aufgefressen. Die Geschichten und Schicksale, die er von den Jugendlichen, darunter viele Geflüchtete, hörte, und die Bürde, alles am Laufen zu halten, laugten ihn auf Dauer aus. Was er damals allein stemmte, ist jetzt auf mehrere Schultern verteilt.

Ein neues Betätigungsfeld fand der Maschinenbau-Student an der TH Wildau aber schon bald bei der Deutschen Islam-Akademie (DIA). Ziel der Organisation ist es, den interreligiösen und interkulturellen Austausch von Muslim*innen und Nicht-Muslim*innen zu fördern. Dort bricht sich sein Organisationstalent Bahn. Unter anderem stellt er Podiumsdiskussionen auf die Beine: „Ich bin selber Muslim und finde es sehr wichtig, dass man andere Religionen und Kulturen kennenlernt, um sich besser zu verstehen.“

Bei der sdw hat Jonas, der zurzeit für BMW seine Bachelorarbeit anfertigt, als Schüler am Programm Studienkompass teilgenommen, das junge Menschen aus nicht-akademischen Familien fördert. Mittlerweile ist er selbst Mentor im Projekt Start Your Digital Future Lab. Dort finden junge Leute zusammen, die gemeinsam mit digitalen Projekten die Welt ein Stück besser machen wollen. Expert*innen und Coaches stehen ihnen dabei zur Seite. Die sechsköpfige Gruppe, die Jonas betreut, entwickelt eine To-do-App. Die Verantwortungsübernahme, sie hört einfach nicht auf bei ihm – unter anderem wird er den nächsten Jahrgang des Studienkompass als Mentor betreuen.


Foto: Inga Kjer/sdw