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Gemeinsam stärker - Multiprofessionelle Kooperation in der Schule

Heterogenität ist ein Schlüsselbegriff im aktuellen Bildungsdiskurs. Die Debatte um die Einführung eines inklusiven Bildungssystems und um die Beschulung geflüchteter Kinder und Jugendlicher haben diese Entwicklung verstärkt. Eine große Vielfalt spiegelt sich hierbei auch in den Professionen am Lernort Schule wider. Neben den Fachlehrkräften kommt Expertinnen und Experten aus den Bereichen Erziehung, Sozialarbeit, Sonderpädagogik, (Schul-)Psychologie, Schulbegleitung, Sozialpädagogik, Integrationshilfe, Jugendhilfe und Lern-/Physiotherapie immer größere Bedeutung zu. Sie alle haben unterschiedliche Zustän­digkeiten, aber dasselbe Ziel: die bestmögliche Förderung aller Schülerinnen und Schüler. Um dieses Ziel zu erreichen, ist die Notwendigkeit zur interdisziplinären Zusammenarbeit gestiegen. 

Das 8. Forum Leadership in der Lehrerbildung möchte nicht nur über, sondern auch mit den einzelnen Professionen über ihre Erfahrungen und ihre Vorstellungen zu den folgenden Themen diskutieren:

  • Multiprofessionelle Teams: Ein Megatrend, der als Allheilmittel dient?
  • Gelingensbedingungen für multiprofessionelle Kooperation: Wer ist gefordert, was zu tun? Welche professionellen Unter­stützungsstrukturen sollten die Arbeit in multiprofessionellen Teams begleiten?
  • Kooperation als Last?! Wann ist es sinnvoll zusammen zu wirken und wann sollten die Professionen eigenständig agieren können?
  • Hürden auf dem Weg zur Kooperation: Womit ist zu rechnen und wie können Hindernisse überwunden werden?
  • Eigenbeitrag für eine gelingende Kooperation: Was kann ich zum Erfolg einer multiprofessionellen Kooperation beitragen und wie kann ich diese an meiner Schule etablieren?

Das Programm für 2018 finden Sie hier

Die Anmeldefrist für die Teilnahme am Forum Leadership in der Lehrerbildung (8./9.11.20118) ist abgelaufen. Anmeldungen werden leider nicht mehr entgegengenommen.

Im nächsten Jahr findet das Forum Leadership in der Lehrerbildung am 14./15.11.2019 in Berlin statt

1A: Von Anfang an gemeinsam! Multiprofessionalität fördern durch ein integratives Ausbildungsformat

In diesem Praxisforum stellen wir eine Modulreihe vor, die wir in Bremen für Schüler/innen der Fachschule für Sozialpädagogik, Sozialarbeitsstudierende der Hochschule und Lehramtsstudierende der Universität Bremen seit einigen Jahren anbieten. Im Anschluss an eine Präsentation des Konzepts dieses Ausbildungsarrangements möchten wir mit den Teilnehmenden des Praxisforums einige Übungen aus der Modulreihe durchführen. Dabei steht die Reflexion des eigenen wie auch der jeweils anderen Professionsverständnisse im Hinblick auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Zentrum. Außerdem stellen wir Praxisbeispiele aus der Bremer Schullandschaft vor.

1B: Wie lassen sich Schulbegleitungen in das multiprofessionelle Klassenteam einbinden?

Zur Unterstützung von Schüler/innen mit geistiger, körperlicher oder psychischer Behinderung werden vermehrt Schulbegleitungen (auch Schulassistenzen oder Integrationshilfen genannt) eingesetzt. Die Rahmenbedingungen dieser Einzelfallmaßnahmen (v. a. Qualifikationsvoraussetzungen, Aufgabenbereiche, zeitliche Begrenzung) bergen verschiedene Herausforderungen für die Einbindung von Schulbegleitungen in das multiprofessionelle Klassenteam. In diesem Workshop setzen wir uns mit der Frage auseinander, wie die Zusammenarbeit mit Schulbegleitungen so gestaltet werden kann, dass sie die Inklusion der begleiteten Schüler/innen bestmöglich unterstützt.

1C: Schulhilfekonferenz: eine interdisziplinäre kollegiale Fallberatung für Schüler/innen mit psychosozialen Beeinträchtigungen

Schüler/innen mit psychosozialen Beeinträchtigungen fordern uns im schulischen Alltag heraus. Eine erfolgreiche Begleitung und Unterstützung dieser Schüler/innen kann nur im multiprofessionellen Team innerhalb und außerhalb der Schule erfolgen. Dazu müssen gemeinsame Ziele entwickelt und Hilfen abgesprochen werden. Die Schulhilfekonferenz kann als Plattform für eine interdisziplinäre kollegiale Fallberatung dienen, um den sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung festzustellen. Im Workshop wird ein praxiserprobter Ablauf für eine solche Schulhilfekonferenz vorgestellt und anhand eines praktischen Beispiels aus dem Schulalltag des Referenten im Rollenspiel erprobt.

1D: Planung und Förderung im multiprofessionellen Team gestalten – viele Augen sehen mehr als zwei

Es ist eine Herausforderung, eine gemeinsame Perspektive auf das Kind zu entwickeln und auf dieser Basis die Förderung des Kindes verbindlich zu planen und durchzuführen. Unter Umständen zeigt sich das Kind in verschiedenen Kontexten in unterschiedlicher Weise: Es liebt Mathematik und verhält sich in diesem Unterricht motiviert und regelgerecht, im Deutschunterricht ist es jedoch überfordert und wirkt lustlos und unfreundlich. Die Teilnehmenden probieren die Methode „Förderplanung im Team“ aus, wodurch in relativ kurzer Zeit Erfahrungen mit dem Kind ausgetauscht, Ziele definiert und Fördermaßnahmen entwickelt werden. Die Methode ermöglicht den Pädagog/innen über den Tellerrand ihres eigenen Unterrichts hinauszusehen, das Kind ganzheitlich in den Blick zu nehmen, miteinander ins Gespräch zu kommen und Grundsätze für die multiprofessionelle Zusammenarbeit abzuleiten. 

1E: Multiprofessionelle Teams und Schulleitung – Haltungen, Erfolgsfaktoren, Führungsverständnis

Anhand eines Videos wird die Erfolgsgeschichte des multiprofessionellen Teams von R. Amundsen diskutiert. Im Praxisforum werden die wichtigsten Erfolgsfaktoren diverser („Diversity“) Teams präsentiert. Neben Vertrauen und Wertschätzung als Kernressourcen der Teamentwicklung sind dabei hervorzuheben: klare Ziele und Visionen, klare Aufgaben- und Rollenverteilung, achtsame Kommunikation im Team („Mindful Meetings“), angemessene Methoden (zur Bestandsaufnahme, zum Sitzungsmanagement), Führungsverständnis der Schulleitung - Psychologische Sicherheit ermöglichen.  

1F: Kooperation mit außerschulischen Partnern

Schulen stehen häufig neue Partner zur Seite, insbesondere aus der Jugendhilfe, Kultur und Sport, die alle ihre jeweilige Professionalität in die gemeinsame Arbeit einbringen. Erforderlich ist dafür ein neues Rollenverständnis der Lehrkräfte und der pädagogischen Fachkräfte. Zentrale Themen werden in der Praxis gemeinsam von Pädagog/innen und außerschulischen Partnern umgesetzt - entsprechend der Aufgabe, Kinder und Jugendliche zu fördern, ihnen interessante Herausforderungen zu bieten, sie umfassend zu bilden und zu erziehen. Diese Ausrichtung setzt ein erweitertes Bildungsverständnis voraus, das deutlich über die curricularen Zielsetzungen von Schule hinausgeht. Kooperationsmöglichkeiten mit außerschulischen Partnern (v. a. in der Ganztagsschule) werden in diesem Praxisforum erarbeitet und gemeinsam vertieft. Mit Blick auf die unterschiedlichen Themenfelder können Teilnehmende eigene Erfahrungen und Vorstellungen einbringen. 

2A: Teamarbeit – Das Team und Ich

Die Teilnehmenden bekommen im Praxisforum die Möglichkeit, sich individuell mit dem Thema „Teamarbeit“ zu beschäftigen. Wir wollen den Blick schärfen für gelungene Teamarbeit und dabei immer wieder die eigenen Teams in den Fokus nehmen. Was hat sich in unserem Team bewährt und was können wir uns zukünftig vornehmen? Was kann jeder Einzelne zu einem guten Gelingen der Teamarbeit beisteuern? Was ist meine Rolle im Team? 

2B: Wie treibe ich Veränderung im bestehenden System voran?

Die Digitalisierung und die damit verbundene Komplexität erhöhen den Druck für Veränderungen. Wer sich nicht verändert und alles so macht wie vor 20 Jahren, verpasst den Anschluss. Das gilt für die Schule genauso wie für jeden persönlich. Es betrifft sämtliche Lebenskompetenzen und auch das Lernen. In unserem Workshop schauen wir uns an, wie man Veränderungen in bestehenden Systemen vorantreibt, wie man Widerständen begegnet und welche Handlungsmöglichkeiten jeder für sich nutzen kann. Wir starten mit einem kurzen Input und beleuchten das Thema dann in interaktiven Arbeitsgruppen von jeweils unterschiedlichen Perspektiven. 

2C: Zufriedenheit am Arbeitsort Schule – Gemeinsam Prozesse verbessern für mehr Freude im Schulalltag

Die Teilnehmenden des Praxisforums dürfen sich gedanklich auf die Reise machen: zu einen motivierenden und effektiven Arbeitsalltag oder etwa zu einem tollen, gemeinsam gestalteten Arbeitsplatz und überlegen sich die optimalen Arbeitsstrukturen an Schulen der Zukunft. Sie können am Ende des Workshops einige Impulse für die Reflexion der eigenen Arbeitsstrukturen und die Auswirkungen von Zufriedenheit am Arbeitsplatz mitnehmen. Kreative Ideenfindung und Methoden für die eigene (Neu-)Gestaltung ihrer Arbeitskultur und Prozessoptimierung werden im Forum erprobt und können für die eigene Arbeit übertragen werden. 

2D: Konstruktiver Umgang mit Widerständen im Team

Lehr-/Führungspersonen haben oft eine tiefe Sehnsucht nach Harmonie. Der schulische Alltag jedoch wird bestimmt durch divergierende Interessenlagen und Auseinandersetzungen. Dabei sind es genau diese Konfliktsituationen in Veränderungsprozessen, die geeignet sind, Problemlagen zu identifizieren und erst dadurch bearbeitbar zu machen. Ziel ist es, die Teilnehmenden in die Lage zu versetzen, die Ursachen von Widerständen gegen praktizierte Führung zu analysieren, die Notwendigkeit von Konflikten zu erkennen und adäquate Reaktionsmuster zu entwickeln. Durch geeignete Methoden werden verschiedene Vorgehensweisen für die Bearbeitung von Konflikten im Team sowie für die Akzeptanzbildung in Veränderungsprozessen eingeübt. 

2E: Wie arbeiten wir eigentlich miteinander?

Unterschiedliche Professionen an Schule haben ihre Bedeutung. Wissen aber alle, wer was macht? Sind die Aufgaben und Vorgehensweisen abgestimmt? Steht bei allem „das Kind/die Jugendliche/der Lernende“ im Fokus? Nach der kurzen Erläuterung des Verfahrens der kollegialen Fallberatung in neun Schritten führen Sie in Gruppen jeweils eine Fallberatung zum Umgang mit dissonanten Situationen an Ihrer Schule durch. Praxistaugliche Handlungsvorschläge für den Umgang mit diesen Situationen sind das Ergebnis. 

2F: Von der kollegialen Beratung zur kollegialen Hospitation

Lehrkräfte bringen vielfältige Kompetenzen in ihren Unterricht und in das System Schule ein: Teams, die einen multiperspektivischen Blick auf Unterricht und Lernende richten, sind somit per se multiprofessionell. Am Beispiel der Sekundarschule Rheinhausen, die als Referenzschule für Teamentwicklungsprozesse des Landesinstituts für Schule NRW ausgezeichnet ist, werden im Forum systematische Abläufe und Gesprächsführungen vorgestellt und mit den Teilnehmenden praxisorientiert erprobt. Dabei geht es um Teams, die sich kollegial beraten und anschließend kollegiale Hospitationen planen und evaluieren. Dabei stehen die Schüler/innen in ihrem Lern- und Entwicklungsprozess im Mittelpunkt.  In den Praxisübungen geht es auch darum, wie Seiteneinsteiger/innen durch multiprofessionelle Teamarbeit qualifiziert werden (quasi "Training on the job"). 

Video "Leadership in der Lehrerbildung"

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