„Die Vielfalt der Stipendiatinnen und Stipendiaten macht das Stipendium für mich zu etwas ganz Besonderem: Es sind alle Studiengänge und Lebensrealitäten vertreten, sodass man viel voneinander lernen kann!“ (Tim, Stipendiat)

Studierende der MINT-Fächer in Nordrhein-Westfalen, die ihre Hochschulreife bevorzugt im Oberbergischen, Rheinisch-Bergischen oder Märkischen Kreis erlangt haben, können sich noch bis zum 17. März 2025 für das Hans Hermann Voss-Stipendium im Studienförderwerk Klaus Murmann der Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw) bewerben. Neben einer finanziellen Förderung bietet das Stipendium die Möglichkeit, an einem umfassenden interdisziplinären Förderprogramm sowie ergänzenden Veranstaltungen zu MINT-Themen teilzunehmen.

„Durch das Hans Hermann Voss-Stipendium habe ich sowohl die Region als auch viele andere Studierende aus ganz NRW kennengelernt, die meine Leidenschaft für Naturwissenschaften teilen. Das zusätzliche Geld hat mich unabhängig von einem Nebenjob gemacht und bietet mir die Möglichkeit, auch kostspieligere Weiterbildungen außerhalb des sdw-Programms zu finanzieren“, berichtet Hans Hermann Voss-Stipendiat Tim. Für ihn ist das Stipendium keine Selbstverständlichkeit, sondern eine einzigartige Chance, sein Interesse für Chemie zu vertiefen und seinen beruflichen Werdegang aktiv zu gestalten: Bevor sich Tim dazu entschied, an der Universität Duisburg-Essen Chemie zu studieren, absolvierte er eine Ausbildung zum Chemielaboranten – mit dem Hans Hermann Voss-Stipendium kann er nun den nächsten Schritt gehen und sich weiter vernetzen und fortbilden.

Wer sich für das Hans Hermann Voss-Stipendium bewirbt, bewirbt sich gleichzeitig für ein Stipendium des Studienförderwerks Klaus Murmann. Hier wird neben guten Noten unter anderem auch gesellschaftliches Engagement erwartet. Die finanzielle Unterstützung beträgt mindestens 300 Euro im Monat plus eine monatliche Pauschale der Hans Hermann Voss-Stiftung in Höhe von 400 Euro. Am 6. März um 16.00 Uhr gibt es die Möglichkeit, sich bei einem Online-Infotermin über die Stipendien im Studienförderwerk Klaus Murmann zu informieren. Die Einwahldaten sowie weitere Infos zur Bewerbung sind unter www.sdw.org/studienfoerderwerk zu finden.

Bis zum 17. März 2025 können sich Studierende aller Fachrichtungen für ein Stipendium der Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw) bewerben.

Das Studienförderwerk Klaus Murmann der sdw sucht engagierte Studierende, die unternehmerisch denken, verantwortlich handeln und gesellschaftlich etwas bewirken wollen.

Ein sdw-Stipendium bietet neben einer finanziellen Unterstützung auch zahlreiche Workshops, Veranstaltungen und ein starkes Netzwerk. Studierende werden umfassend dabei unterstützt, ihre Zukunft erfolgreich zu gestalten. Zusätzlich gibt es spezielle Zusatzangebote für Studierende des Lehramts und der Kindheitspädagogik sowie für Studierende, die sich für Journalismus, Start-ups oder nachhaltige Transformation begeistern.

Für Fragen zur Bewerbung gibt es kostenlose Online-Infotermine am 10. Februar und am 6. März 2025. Das Bewerbungsportal ist bis zum 17. März 2025, 13:00 Uhr MESZ, geöffnet: www.sdw.org/studienfoerderwerk

Für mehr Vielfalt in der Gründungsszene

Das Bewerbungsportal für Staffel 4 der Entrepreneurship Talent Academy ist ab sofort geöffnet.

Vom 6. Januar bis zum 2. März 2025 können sich wieder Schülerinnen und Schüler der Oberstufe aus den Regionen Sachsen, Stuttgart und Rhein-Main für die Entrepreneurship Talent Academy (ETA) der Karl Schlecht Stiftung und der Stiftung der Deutschen Wirtschaft (sdw) bewerben. Damit geht das Schülerprogramm in die 4. Runde und trägt mit den jungen Nachkommen zur Vielfalt in der deutschen Gründungswelt bei.

Die Förderungszeit dauert 6 Monate und zielt darauf ab, mehr Jugendliche für das Thema Entrepreneurship zu begeistern. Mithilfe eines vielseitigen Angebots an On- und Offline-Workshops wird den Geförderten ein realistischer Eindruck der Start-up-Welt vermittelt und ihr Gründungsgeist gestärkt. Dabei bekommen sie Input von erfahrenen Gründerinnen und Gründern und lernen anhand von Methoden wie Gamification und Design Thinking, ihre eigene unternehmerische Seite zu entdecken und zu entfalten.

Während dieses Prozesses gilt es herauszufinden, ob eine Gründung eine Option für den eigenen Karriereweg darstellt und welche Schritte gegangen werden müssen, um dieses Ziel zu erreichen. Die Entrepreneurship Talent Academy soll helfen, eine Antwort auf diese Frage zu finden.

Am 28. März 2025 findet in Frankfurt a. M. der erste von drei Kickoff-Workshops statt. Darauf folgen die Workshops in Stuttgart am 4. April 2025 und am 11. April 2025 in Dresden.

Die Entrepreneurship Talent Academy ist ein Spin-Off aus dem Förderprogramm Studienkompass der sdw und ihrer Partner. Weitere Infos zur Entrepreneurship Talent Academy finden Sie unter www.sdw.org/eta.

Geschichten aus 30 Jahren sdw: Daniela Zingler

Alumna unseres Studienförderwerks Klaus Murmann (2011-2015) sowie des Hans Weisser Stipendiums (2022)

Daniela Zingler hat von 2011 bis 2015 im Bachelor „Technology & Management“ und im Master „Sustainable Resource Management“ an der TU München studiert. Während dieser Zeit war sie Stipendiatin im Studienförderwerk Klaus Murmann. Außerdem kehrte sie 2022 für ein Hans Weisser Stipendium zur sdw zurück, das ihr einen Forschungsaufenthalt am Global Sustainability Institute in Cambridge ermöglichte. 

Im Interview anlässlich unseres Jubiläums #30Jahresdw erzählt Daniela, wie die beiden Stipendien ihren Werdegang beeinflusst haben.

Hallo Daniela, wenn du an deine Zeit im Studienförderwerk zurückdenkst – was fällt dir da als erstes ein?

„Der Zusammenhalt der Stipendiatinnen und Stipendiaten sowie die Hilfsbereitschaft. Den Austausch über die lokale Gruppe in München. Die regelmäßigen Treffen und das Arbeiten an gemeinsamen Projekten haben für mich die sdw sofort mit Leben gefüllt. Des Weiteren sind mir die einwöchigen Akademien zu bestimmten Schwerpunktthemen sehr im Gedächtnis geblieben.“

Welche Erfahrungen oder Begegnungen bei der sdw haben dich rückblickend geprägt?

„Die Begegnungen mit anderen Stipendiatinnen und Stipendiaten haben mich dazu ermutigt, selbst große Pläne zu haben und diese zu verfolgen. Aus eher einfachen Verhältnissen kommend habe ich dies von zu Hause nicht in die Wiege gelegt bekommen. Durch die sdw hatte ich das Gefühl, vieles ist möglich und ich werde bei meinen Vorhaben unterstützt.“

Wie ging es nach der Zeit im Studienförderwerk weiter?

„Nach dem Studienförderwerk startete ich in meine erste berufliche Station als Beraterin zum Thema Nachhaltigkeit und Klimawandel bei PwC.“

In der zweiten Hälfte des Jahres 2022 gab es ein Wiedersehen mit der sdw – du warst mit dem Hans Weisser Stipendium am Global Sustainability Institute (GSI) in Cambridge. Wie kam es dazu?

„Durch meine bestehenden sdw-Alumni-Kontakte habe ich auch vom Hans Weisser Stipendium erfahren. Ich kenne kein Stipendium, welches so flexibel auf die einzelnen Vorhaben der Stipendiatinnen und Stipendiaten reagiert wie das Hans Weisser Stipendium. Im Auswahlverfahren war die Atmosphäre sehr wertschätzend und ermutigend – und auch die anderen Bewerberinnen und Bewerber waren sehr offen und freundlich. Dies hat mich letztendlich dazu bewogen, den Schritt nach Cambridge auch zu wagen.“

Mit welchen Fragen hast du dich während deines Forschungsaufenthalts am GSI beschäftigt?

„Welche Faktoren führen dazu, dass nachhaltige Transformationen auch wirklich funktionieren (bspw. die Energiewende)?“

Wie blickst du heute – zwei Jahre später – auf diese Zeit zurück?

„Das Hans Weisser Stipendium gab mir die Möglichkeit, mich individuell weiterzuentwickeln und für mich drängenden Fragen nachzugehen. Dies war sehr erfüllend.“

Was machst du heute, wie konnten die beiden Stipendien deinen Werdegang beeinflussen?

„Heute bin ich als Director ESG / Sustainability im Private-Equity-Bereich tätig. Die beiden Stipendien haben mich durch die Unterstützung auch ermutigt, am Thema Nachhaltigkeit dranzubleiben, obwohl dieses am Anfang meines Studiums noch ein reines Nischenthema war.“

Und zum Abschluss noch eine Bitte – könntest du bitte diesen Satz ergänzen? „Die sdw-Zeit war für mich …“

„… sehr erfüllend und ich bin sehr dankbar, Teil der sdw-Familie zu sein.“

Liebe Daniela, vielen Dank für das Gespräch!

Porträt-Foto von Daniela Zingler
Foto: privat

Geschichten aus 30 Jahren sdw: Soraya Cornelius

Alumna TaLea – Tandem Leadership for Learning (Abschlussjahr 2023) und aktuelle TaLea-Teilnehmerin

Soraya Cornelius ist Lehrkraft für Chemie und Naturwissenschaft und Technik (NwT) am Otto-Hahn-Gymnasium in Nagold. Derzeit ist sie vom Schuldienst befreit, um im Bereich der Chemiedidaktik zu promovieren, wo sie sich auf die Produktion von Erklärvideos spezialisiert.

Im Förderjahr 2022/23 nahm Soraya erstmals an unserem Programm TaLea – Tandem Leadership for Learning (LINK) teil und, was besonders ist, im Jahrgang 2024/25 ist sie erneut dabei. Ihr erstes TaLea-Jahr beschreibt sie als eine bereichernde Zeit voller intensiver Begegnungen und inspirierender Gespräche. Besonders betont sie die Freundschaften und den kollegialen Austausch mit anderen engagierten Lehrkräften, die wie sie den Wunsch haben, Schule und Lernen positiv zu verändern. „Der Austausch mit anderen TaLeas und den Programmleiterinnen Fanny und Fabienne war stets anregend und für meine persönliche wie berufliche Entwicklung äußerst wertvoll“, erklärt sie. Im Rahmen von TaLea entwickelte sie zusammen mit ihrem Kollegen Johannes Kempf das Spiel PrototypReflexion, das bereits in verschiedenen Workshops des Programms erfolgreich eingesetzt wurde. Dieses Design-Thinking-Spiel fördert die kreative Reflexion und Optimierung von Prototypen in der Unterrichtsgestaltung. Die Spielerinnen und Spieler betrachten und reflektieren Prototypen aus verschiedenen Perspektiven und durch gezielte Aufgaben. Die positive Resonanz auf das Spiel ermutigte Soraya und ihren Kollegen, PrototypReflexion weiterzuentwickeln und in Lehrkräftefortbildungen sowie im eigenen Unterricht einzusetzen.

Für das aktuelle Förderjahr plant sie zusammen mit ihrer neuen Tandempartnerin Katrin Lammert, das Spiel als Instrument für kollegiale Unterrichtshospitationen weiterzuentwickeln. „Gemeinsame Hospitationen bieten uns Lehrkräften großes Potenzial für die Weiterentwicklung von Lehrmethoden und Kompetenzen“, betont sie. Ziel ist es, ein Konzept zu schaffen, das Lehrkräfte darin unterstützt, durch Reflexion, Klärung und Stärkung nachhaltig voneinander zu lernen.

Rückblickend sieht Soraya die Teilnahme an TaLea nicht nur als persönliche Bereicherung, sondern auch als wichtige Impulsgeberin für ihre Schule. Die im Programm entwickelten Unterrichtsmaterialien haben nicht nur ihren eigenen Schülerinnen und Schülern geholfen, essenzielle 21st-Century-Skills zu erwerben und zu vertiefen, sondern wurden auch in Lehrkräftefortbildungen weitergegeben und fördern so das zeitgemäße Lernen über die eigene Schule hinaus. Dank TaLea konnte Soraya ihre eigenen Kompetenzen gezielt ausbauen und fühlt sich heute gestärkt, mehr Verantwortung an ihrer Schule zu übernehmen. Soraya ist darüber hinaus dankbar für die gute Vernetzung innerhalb der sdw: Das sdw-Netzwerk bietet ihr neue fachliche Möglichkeiten sowie den Austausch und die Zusammenarbeit mit engagierten Kolleginnen und Kollegen. Und sie freut sich, mitgestalten und etwas zurückgeben zu können: „Innerhalb der sdw konnte ich nicht nur Erfahrungen sammeln, sondern ich konnte auch Workshops zum Thema Erklärvideoproduktion geben und aktiv im Auswahlverfahren des Studienförderwerks Klaus Murmann mitwirken.“

Soraya wünscht der sdw für die kommenden Jahre, dass das Thema Bildung und Schulentwicklung weiterhin im Fokus bleibt, denn „unsere Kinder und Jugendlichen sind unsere gesellschaftliche Zukunft, und der Einsatz für sie ist besonders wertvoll.“ Die Teilnahme an TaLea fasst sie schließlich mit den Worten zusammen: „TaLea bietet mir die Chance, mich und mein Schulprojekt intensiv über ein Jahr hinweg weiterzuentwickeln und dabei ganz viel Motivation für den Schulalltag zu schöpfen.“

Porträt-Foto von Soraya Cornelius
Foto: Michael Fuchs

TaLea – Tandem Leadership for Learning ist unser Programm für schulische Nachwuchsführungskräfte in Kooperation mit der Akademie für Innovative Bildung und Management Heilbronn-Franken gGmbH (aim).

Geschichten aus 30 Jahren sdw: Paul Wenkang Zhou

Stipendiat der Entrepreneurship Talent Academy (seit 2024)

„Gründen funktioniert auch ohne großes Startkapital. Hauptsache die Idee ist gut und man ist bereit, dafür zu arbeiten.“Dies ist nur ein Learning von vielen, das Paul Wenkang Zhou, Stipendiat der Entrepreneurship Talent Academy (ETA), aus seiner Förderung für sich mitnimmt. Bereits nach kurzer Zeit bei der ETA fühlte er sich darin bestärkt, in Zukunft ein eigenes Start-up zu gründen.

Wenkang, wie ihn seine Freunde nennen, ist über ein Poster in der Schule auf die sdw aufmerksam geworden. Aus einem anfänglichen Spaß zwischen ihm und seinem Bruder bewarben sie sich schließlich gemeinsam für die Entrepreneurship Talent Academy – mit Erfolg! Zwar hat Wenkang die Unternehmensgründung schon vorher als sinnvollen Pfad für sich empfunden, jedoch wusste er seine Fähigkeiten nicht richtig einzusetzen. In der Förderung wurde dann schnell klar, wo seine Stärken liegen: Von Anfang an fiel Wenkang den Workshopleiterinnen und -leitern durch seine hervorragenden Pitchfähigkeiten auf, die ihm später dazu verhalfen, sich beim Regionalwettbewerb Jugend debattiert für die Landesebene zu qualifizieren.Dieses Ereignis in Kombination mit den Teamarbeiten und Workshops bei der Entrepreneurship Talent Academy weckte zunehmend Wenkangs Gründungsgeist und half ihm, sich in der Gruppe zu öffnen:

„Mir gefielen am meisten die Gruppen- und Teamarbeiten in dem Kick-Off-Workshop und den einzelnen Online-Workshops. Die Aufgaben, die man bearbeiten sollte, besaßen alle einen großen Kreativitätsanteil und oft musste man etwas komplett Neues erfinden. Außerdem hat mich die Arbeit in der Gruppe zunehmend ermutigt, aus mir herauszukommen und mehr von mir zu zeigen. Da Teamwork auch im Gründungsprozess eine Rolle spielen wird, bin ich der ETA sehr dankbar für die Umgebung, die sie für Gleichgesinnte schafft.“

Aktuell besucht Wenkang die 11. Klasse im Gymnasium und strebt nach dem Abitur ein Studium an. Was genau, weiß er noch nicht, aber an Ideen fehlt es ihm nicht: „Ziel ist es, neben dem Studium Ideen für Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln, die man dann mithilfe einer Unternehmungsgründung monetarisieren kann. Zudem beschäftige ich mich auch mit dem Wachstum meiner Social-Media-Reichweite und möchte mich da eventuell mehr hineinknien, als ich es bisher tat. Eine Gründung ziehe ich seit meinem Beitritt in die ETA stark in Erwägung und wäre auf jeden Fall etwas, was ich mal erreichen möchte.“

Porträt-Foto von Paul Wenkang Zhou
Foto: privat

Geschichten aus 30 Jahren sdw: Dr. Janine Häbel

Alumna des Studienförderwerks Klaus Murmann (2017-2022)

„Dass ich – jemand aus einer Arbeiterfamilie aus einer Kleinstadt und mit großen schulischen Problemen in der Vergangenheit – jemals ein Studium, geschweige denn eine Promotion, abschließen würde, hätte ich mir nie träumen lassen“, erzählt unsere Alumna Janine nach ihrem erfolgreichen Promotionsabschluss in diesem Jahr. Gefördert durch ein Promotionsstipendium im Studienförderwerk Klaus Murmann hat sie im Bereich Gender & Sexuality Studies in der Kulturanthropologie an der Universität Amsterdam promoviert und dafür in Tansania in der Nähe des Kilimandscharos geforscht. Die Motivation für ihre Promotion und die Begeisterung für das Thema schöpft sie aus ihren Überzeugungen: „Mich hat schon immer gestört, dass Frauen in Afrika ganz allgemein permanent als benachteiligt und marginalisiert dargestellt werden, insbesondere Frauen, die gleichgeschlechtlich l(i)eben. Das entsprach nicht dem, was ich täglich vor Ort erlebt habe. Während meiner Forschungsaufenthalte habe ich vor allem sehr engagierte, starke Frauen kennengelernt, die zudem unfassbar witzig sind und ihre Sexualität auf kreative Weise gestalten, auch wenn Geheimnisse dabei eine zentrale Rolle spielen.“

Inzwischen hat Janine eine Postdoc-Stelle in Lissabon angetreten, führt als zweite Vorsitzende die NGO Good Hope in Tansania mit sechs festen Mitarbeitenden und betreibt einen Onlinehandel für fair gehandelte Vanille vom Kilimandscharo: Kili Vanili. Der Weg dorthin war für sie nicht immer ganz einfach und ließ sich nur mit viel Eigeninitiative meistern: „Herausforderungen gab es immer wieder. Während meines Studiums der Europäischen Ethnologie musste ich zum Beispiel kaum bis keine englischen Texte lesen. In der Promotion gab es für mich hier sehr viel Nachholbedarf, den ich nur mit Fleiß überwinden konnte.“ Aber Janine geht ihre Herausforderungen nicht nur mit Durchhaltewillen, sondern auch mit Kreativität und Innovationsgeist an.

Als sie für ihre Promotion länger braucht als vorgesehen und ihre Förderung endet, entscheidet sie sich für einen neuen Weg der Finanzierung: eine Gründung. „Ich habe mich schon immer für Gründungen und Start-ups interessiert. Also habe ich nach einer sinnstiftenden Einkommensquelle gesucht. Eines davon war das Vanille-Business, welches durch eine einjährige Gründungsförderung durch die Sächsische Aufbaubank gefördert wurde.“ Ihr sdw-Netzwerk und der Input zum Thema Unternehmertum während ihrer Förderzeit halfen ihr bei ihrem Vorhaben: „Ich habe unfassbar engagierte Geförderte, Alumnae und Alumni der sdw kennengelernt, mit denen ich gemeinsam über den Tellerrand hinausschauen konnte und deren Projekte mich inspiriert haben. Außerdem habe ich durch die sdw das Impact Hub in Leipzig entdeckt.“ Der Gründer und Geschäftsführer des Impact Hubs Leipzig ist ebenfalls Alumnus des Studienförderwerks und unterstützte Janine bei der Umsetzung ihrer Gründungsidee. „Ich habe viel Input von verschiedenen Seiten für mein Vanille-Business bekommen, unter anderem bei meiner Bewerbung für die Gründungsförderung.“

Janine setzt bei ihrer Gründung von Kili Vanili auf langsames Wachstum. „Ich wollte nicht gleich ein riesiges Business aufbauen. Außerdem gab es am Anfang viel herauszufinden: Was muss ich bei einer Gründung beachten? Wie muss mein Lagerraum für die Lebensmittelkontrolle aussehen? Eine besondere Herausforderung ist jedoch, dass unsere Vanille zum einen fair gehandelt wird und zum anderen eine sehr hohe Qualität hat und viel saftiger und länger ist als die vertrockneten Schoten, die man günstig im Supermarktregal findet. Das schlägt sich im Preis nieder. Daher sprechen wir nicht die große Bandbreite an Kundschaft an, sondern diejenigen, die Qualität schätzen. Hier braucht es einen langen Atem, bis man sich einen guten Kundenstamm aufgebaut hat – vor allem wenn man das wie ich als Nebenerwerb neben einer Promotion macht.“ Doch Janine setzt sich mit ihrer Idee und ihrem Start-up durch. So kaufen inzwischen einige Cafés aus ihrer Heimat – vor allem in Leipzig und Chemnitz – regelmäßig ihre Vanille für den hausgemachten Kuchen und Eierlikör.

Janine nimmt aus ihrer Förderung und ihren Gesprächen im Start-up-Bereich vor allem eins mit: „Am Ende kann man am besten verkaufen, wenn man selbst hinter dem Produkt und der Idee steht. Aus meiner eigenen Gründungserfahrung kann ich sagen, dass man einfach immer am Ball bleiben muss, auch wenn Dinge nur langsam voranschreiten.“

Porträt-Foto von Dr. Janine Häbel
Foto: Florian Josephowitz

Dominik war 2023 im Rahmen seines Hans Weisser Stipendiums ein halbes Jahr lang in den USA, um sich mit Projekten auseinanderzusetzen, die einen Beitrag zur Klimawandelresilienz von Architektur leisten. Dazu untersuchte er Beispiele vor Ort, prüfte ihre Wirksamkeit und reflektierte die Übertragbarkeit auf Deutschland. Für ein sdWerte-Interview sind wir mit Dominik tiefer in dieses sehr spannende Thema eingestiegen.


Hallo Dominik! Was war für dich der Anlass, dich mit dem Thema Klimawandelresiliente Architektur auseinanderzusetzen?

„Der Klimawandel ist eines der zentralsten Themen unserer Zeit. Längst ist auch klar, dass wir die globale Erwärmung zwar noch eindämmen, aber nicht aufhalten können. Extremwetterereignisse werden häufiger, Hitzeperioden intensiver. Auch in Deutschland müssen wir uns auf neue Lebensbedingungen einstellen. Der Mensch ist als Spezies so erfolgreich, weil er unglaublich flexibel auf unterschiedliche Bedingungen reagieren kann. Nachhaltigkeit und CO2-Reduktion sind zurecht omnipräsente Aspekte. Um einen Schritt weiterzugehen, stelle ich aber die Frage, wie wir uns aktiv an die neuen klimatischen Lebensbedingungen anpassen können. Als Gestalterin unserer Lebensräume spielt die Architektur dabei eine Schlüsselrolle. Als Architekt sehe ich mein Berufsethos auch darin, Verantwortung zu übernehmen und die gebaute Umwelt entsprechend weiterzuentwickeln. Und persönlich finde ich das Thema unglaublich spannend!“

 

Warum war ausgerechnet Manhattan das Ziel deiner Untersuchung?

„Manhattan ist ein idealer Prototyp, durch den wir einen Blick in eine mögliche Zukunft unserer Städte werfen können: eine bestehende, hochverdichtete Struktur, die sich aktiv an neue klimatische Bedingungen anpasst. Die Folgen des Klimawandels wurden hier besonders deutlich, als der Superstorm Sandy im Jahr 2012 die Stadt überflutete und die Metropole, ‚die niemals schläft‘, in Dunkelheit legte.

Diese apokalyptischen Bilder gingen um die Welt und führten vor Ort zu einer breiten Zustimmung für beispiellose Investitionen und Maßnahmen zur Steigerung der Klimawandelresilienz. Die Transformation der Stadt ist in vollem Gange, einige Projekte sind bereits fertiggestellt. Die Stadt ist eine Art Experimentierfeld, in dem diese Maßnahmen im großen Stil sichtbar und bewertbar werden. Zudem kämpft Manhattan aufgrund seiner dichten Bebauung und versiegelten Flächen in den zunehmend heißeren Sommern mit extremer Hitze, was zu weiteren innovativen Projekten führt.

Die Themen, mit denen Manhattan konfrontiert ist – Überflutungen durch Extremwetter und überhitzte urbane Räume – sind auch in Deutschland immer relevanter, wie beispielsweise die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 zeigt. Bei den Überschwemmungen im Landkreis Pfaffenhofen im letzten Sommer war ich persönlich vor Ort und schockiert von den Naturgewalten, denen die Bevölkerung und die Bebauung dort ausgesetzt waren. In Manhattan habe ich ganz unterschiedliche Lösungen für eine Steigerung der Klimaresilienz analysiert und ihre Übertragbarkeit auf deutsche Städte überprüft.“

 

Wie lässt sich klimaresilientes Bauen ganz praktisch umsetzen? Was wären vielleicht Quick Wins?

„Für mich lässt sich die Klimawandelresilienz unserer gebauten Umwelt durch drei Hauptstrategien stärken:

  1. Wir sollten nicht in Gebieten bauen, die besonders anfällig für Naturkatastrophen sind. Ein Beispiel dafür ist die Überflutung durch den Hurrikan Katrina im Jahr 2005, bei der das historische Zentrum von New Orleans unberührt blieb, während neuere Baugebiete in ehemaligen Sumpfgebieten zerstört wurden. Da Naturgewalten zunehmen, benötigen wir auch größere Pufferflächen. In hochverdichteten Städten wie Manhattan sind solche Flächen jedoch oft nicht vorhanden.
  2. Robuste Lösungen einplanen: Eine Lehre aus Sandy war für Manhattan die Umgestaltung der Uferlinie von (Süd-)Manhattan. Ein Problem dieser Strategie ist der meist enorme bauliche Aufwand, dessen Nutzen im Alltag kaum sichtbar wird. Dieser zeigt sich erst in Extremsituationen darin, dass geringe Schäden entstehen. Dieser sehr passive Nutzen wird kaum wahrgenommen, kostet aber viel Geld. Hierbei denke ich an die offenen und dadurch winddurchlässigen Geschosse in den Pencil Towers am Central Park und die enormen Schwingungstilger oder Pendel, die Windkräfte ausgleichen sollen.

Extremer werdende Stürme erfordern auch hier immer aufwendigere Kompensationen und der einzige Nutzen ist die Erhaltung des Ist-Zustands. In Manhattan wurde diesem Problem bei Flutschutzprojekten durch eine intelligente Strategie begegnet: Zwar gibt es an vielen Stellen robuste Lösungen wie Fluttore und Schutzmauern, aber es wird auch ein neuer Park gebaut, der durch seine Topographie als Schutzwall gegen Überschwemmungen fungiert. Der so wichtige, sichtbare Quick Win wurde als Nebeneffekt der eigentlichen Maßnahme generiert: Eine öffentliche Grünfläche außerhalb des Central Parks ist eine Seltenheit im Big Apple. Das stärkt die Akzeptanz und erzeugt positive Bilder, die Projekte wie dieses durch die vielen Schritte bis zur Umsetzung tragen können. Die Leute haben einfach mehr Lust auf die Umsetzung, wenn etwas ‚Schönes‘ dabei entsteht.

  1. Wir können natürliche Systeme stärken, von denen wir dann wiederum profitieren: Hier denke ich an ein Projekt, das ich auf Governors Island direkt vor Manhattan besucht habe. Dort werden ehemalige Austernbänke wieder aufgebaut, die als natürliche Wellenbrecher funktionieren. Als positiver Nebeneffekt filtern die Austern das Wasser in der Manhattan Bay, sodass sich die Wasserqualität verbessert und inzwischen sogar regelmäßig Wale direkt vor

Manhattan beobachtet werden. Ein tolles Symbol dafür, wie wir durch den Wiederaufbau von ökologischen Systemen als Menschheit am Ende wieder profitieren können! Das Bild der Flosse eines abtauchenden Wals vor der Freiheitsstatue ging um die Welt und wurde für mich zum ‚Logo‘ für mein ganzes Projekt.

Vor den Niederlanden läuft aktuell ein wissenschaftliches Pilotprojekt, bei dem Baumstämme in der Nordsee versenkt werden. Vor der Industrialisierung wurden durch Flüsse große Mengen Treibholz in die Uferzonen gespült, die dort als Grundlage für Muschelbänke dienten. Diese sind heute vielerorts verschwunden. Das Projekt in den Niederlanden dient der Artenvielfalt, ich sehe aber das gleiche Potential für Synergieeffekte wie beim Auster-Projekt in Manhattan. Auch in Deutschland liegen unsere Städte dicht an Ökosystemen, von deren Stärkung wir profitieren könnten – beispielsweise auch im Hinblick auf die steigende Trockenheit im Sommer.

Neben diesen drei Hauptstrategien gibt es noch die Möglichkeit, anpassungsfähig zu sein: Oft belächeln wir die einfachen ‚Papphäuser‘ in den USA, die bei den Hurrikans umfallen wie Kartenhäuser. Werden die Kräfte der Natur aber zu stark und weder ein ‚Ausweichen‘ noch ein ‚Unterwerfen‘ der Natur ist möglich, so kann es sinnvoll sein, auf ein einfaches System zu setzen, das schnell repariert oder neu aufgebaut werden kann. Resilienz bedeutet auch, nach einer Störung schnell in den Normalzustand zurückkehren zu können. Das geht auch durch Sollbruchstellen, die sich einfach ersetzen lassen.“

 

Was ist der aktuelle Stand in Deutschland zum Thema Klimawandelresilientes Bauen?

„In der Praxis sehe ich in der Architektur wenig dazu. Hier liegt der Fokus auf ressourcenschonendem Bauen, Einsparen von CO2 und auf dem Entsiegeln von Flächen. Einzelmaßnahmen zur Widerstandsfähigkeit der Bebauung gegen Extremwetterereignisse gab es schon immer. Eine systematische Anpassung dieser Widerstandsfähigkeit an neue Lebensbedingungen – also wenn aus dieser Widerstandsfähigkeit echte Klimawandelresilienz wird – geschieht fast überhaupt nicht und ist höchstens in der akademischen Welt ein Thema.

Statt die Art zu bauen grundsätzlich zu hinterfragen, wird häufig an Altem festgehalten und die geänderten äußeren Bedingungen werden durch Gebäudetechnik kompensiert. Der Anteil der Kostengruppe 400 – also der technischen Gebäudeausrüstung – steigt in den letzten Jahren im Verhältnis zur Kostengruppe 300 – der Baukonstruktion – immer stärker an. Dabei könnte man bauliche Lösungen dafür finden und Gebäude so entwerfen, dass möglichst wenig technische Kompensation notwendig ist. Hierfür lohnt sich auch der Blick auf traditionelle Bauweisen in Regionen, die an klimatische Bedingungen angepasst sind, die wir in der Zukunft haben werden. Auch wenn ich hoffe, dass sich unser Klima nicht so weit erwärmt, dass ich irgendwann auf persische Windfänger-Türme zurückgreifen muss.

Die Flut im Ahrtal und der Wiederaufbau ist ein spannendes Vergleichsprojekt zu der Überflutung von Manhattan von 2012 und der darauffolgenden Transformation der Stadt. Jahrhundertfluten gab es schon immer, aber wir wissen, dass diese Fluten durch den Klimawandel extremer und häufiger werden, Szenarien wie im Ahrtal werden ‚normaler‘. Die Widerstandsfähigkeit gegen die ‚alten‘ Bedingungen hat im Ahrtal nicht mehr ausgereicht. Beim Wiederaufbau wird nun ein Großteil der zerstörten Substanz wieder am gleichen Ort und in der alten Form aufgebaut. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die den Wiederaufbau begleiten, kritisieren, dass Gelder in Strukturen fließen, die beim nächsten Hochwasser wieder zerstört werden.

Auch öffentliche Gebäude werden nicht an sichereren Orten oder in anderer Bauweise errichtet, da es keine Verwaltungsvorschriften dafür gibt. Sie fordern eine ‚Gesamtstrategie im Umgang mit dem Aufbau sensibler und kritischer Infrastrukturen und der Klimaresilienz‘. Dass diese sogar beim Wiederaufbau im Ahrtal fehlt, zeigt, wie schlecht wir noch aufgestellt sind. Hierbei ist nicht unbedingt Geld das Problem, sondern es fehlen die richtigen architektonischen Werkzeuge für eine systematische klimawandelresiliente Bebauung und vor allem eine schnellere und flexiblere Reaktion der Politik und Verwaltung auf die neuen Bedingungen. Anders als New York nach Sandy haben wir nicht ausreichend aus der Katastrophe gelernt.“

 

Du hast zwei Vorlesungsreihen an der Princeton University besucht, eine davon „Designing Sustainable Systems“ bei Forrest Meggers. Wie lassen sich die Erkenntnisse daraus auf Deutschland übertragen?

„Hier kommt genau der Punkt aus der vorherigen Frage zum Tragen: Wir brauchen nachhaltige Systeme als Gesamtstrategie. Keine Einzelmaßnahmen, die Lücken lassen. Um ehrlich zu sein, war meine größte Erkenntnis aus Princeton aber keine fachliche, sondern die Herangehensweise an Problemstellungen: mit Begeisterung für die Thematik und Lust darauf, eine gute Lösung zu finden. Ich glaube, davon fehlt uns in Deutschland manchmal ein bisschen.

Wir könnten die Katastrophe im Ahrtal als Chance sehen, den gewohnten Trott zu verlassen und die zerstörten Bereiche als innovative klimawandelresiliente Pionierprojekte wieder aufzubauen, auf die wir am Ende stolz sind. Dafür braucht es aber Lust auf Weiterentwicklung, Begeisterung für das Thema und ein bisschen Denken ‚out of the box‘. Und als Grundlage dafür ein Bewusstsein für die Problematik und die richtigen Weichenstellungen in der Verwaltung und Politik.

Mir ist in Princeton aber auch bewusst geworden, dass sich Deutschland gerade beim Thema nachhaltiges Bauen auf einem extrem hohen Niveau bewegt. Viele unserer Neubauten sind hochmoderne ‚Sustainable Systems‘. Das ist kein Anlass, bei dem Thema stehenzubleiben, aber ich denke, wir sollten uns hier in einer positiven Vorreiterrolle sehen und das Geschaffte anerkennen! In Princeton werden Zukunftssysteme für die Architektur und Gebäudetechnik gelehrt, die bei unseren Neubauten schon ‚state of the art‘ sind.“

 

Mittlerweile arbeitest du wieder als Architekt in Deutschland. Inwiefern ist Klimawandelresilienz ein Thema in deinem Arbeitsalltag?

„Für mich ist die Klimaresilienz eines von vielen Puzzleteilen, die für einen guten Entwurf zusammenpassen müssen. In Deutschland geht es bei diesem Puzzleteil meist um Hitzeschutz / Kühlung im Sommer, um Starkregenereignisse und Trockenheit. Durch neue technische Möglichkeiten und neue Anforderungen passen wir unsere Art des Bauens schon heute an die veränderten Bedingungen an. Die Kühlung von Gebäuden war früher kein so großes Thema wie heute und es kommen immer neue technische Systeme dazu auf den Markt. Ich persönlich präferiere Low-Tech-Entwürfe, die nur das durch Technik auffangen, was der Entwurf nicht über die Architektur lösen kann. In Sachen Hitzeschutz kann das ganz konkret einfach ein Dachvorsprung über der verglasten Südfassade sein, der sie bei hohem Sonnenstand verschattet.

Bei einem Neubauprojekt will ich aktuell ein helles Dach bauen. Die Schrägdächer auf vielen Neubauten sind dunkelgrau, weil es ‚modern‘ aussieht und es keiner hinterfragt. Ein helles Dach, das sich weniger aufheizt und Sonne reflektiert, wie die (abschmelzenden) Polarkappen, wäre eigentlich eine ziemlich sinnvolle Anpassung an die neuen klimatischen Bedingungen und somit viel moderner als jeder Grauton. Jedoch macht mir bei dem aktuellen Projekt der Bebauungsplan der Gemeinde aus den 1960er-Jahren einen Strich durch die Rechnung, der explizit eine ‚helle Eindeckung‘ verbietet.“

 

Welche inhaltlichen Punkte sind dir bei der Beschäftigung mit dem Thema im Rahmen deines Hans Weisser Stipendiums besonders im Gedächtnis geblieben?

„Wenn man über das Thema spricht, muss man enorm darauf achten, am Ende nicht immer wieder über nachhaltige Architektur zu sprechen, die dann eher den Aspekt von CO2-Neutralität und ressourcenschonendem Bauen meint. Theoretisch kann auch ein ansonsten nicht nachhaltiges Gebäude widerstandsfähig und gut an die klimatischen Bedingungen angepasst sein. Aber ist auch ein ‚klimafreundlich‘ errichtetes Gebäude wirklich nachhaltig, wenn es nicht auf die (neuen) klimatischen Bedingungen angepasst ist? Es geht also um eine Facette von Nachhaltigkeit, die grundlegend ist, aber viel weniger Aufmerksamkeit bekommt als andere Aspekte des Themas.

Bei der Beschäftigung mit der Klimawandelresilienz während meiner Stipendienreise auf einer höheren Abstraktionsebene sind mir zwei Punkte begegnet, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind und sicher auch meine zukünftige Arbeit prägen werden: Der erste Punkt ist schnell erklärt, hier geht es um die Unterscheidung zwischen Projekten, die sehr nachhaltig aussehen, die aber eher ein Marketingsymbol sind, als dass sie echte Effekte bringen. Hier denke ich zum Beispiel an begrünte Fassaden und Wände (im Innenbereich übrigens meist aus toten, konservierten Pflanzen), die ein Gebäude sehr zeitgemäß und wortwörtlich grün aussehen lassen.

Natürlich können begrünte Fassaden auch die Resilienz der Architektur gegen Überhitzung im Sommer in der direkten Umgebung stärken und ich befürworte sie auch ausdrücklich, aber oftmals wäre ein großer Baum neben dem Gebäude im Hinblick auf das Mikroklima und auch auf die CO2-Speicherung und -Umwandlung sinnvoller. Man muss ehrlich und realistisch sein, welche Maßnahmen welchen Zweck und welche Wirkung haben. Gibt es keinen Platz für den Baum, möchte man beispielsweise eine nachhaltige Bauweise auch nach außen sichtbar machen oder findet man es gestalterisch ansprechend, ist es vollkommen in Ordnung, so etwas zu bauen, entscheidende Effekte lassen sich aber auf andere Weise oft deutlich einfacher erzielen. Zwar sind auch Symbole wichtig, ich finde aber die Unterscheidung zwischen Symbol und echtem Effekt und die Kosten-Nutzen-Abwägung essentiell.

Der zweite Punkt ist, wie schon erwähnt, die Art und Weise wie einige der resilienzsteigernden Projekte in den USA mit weiteren positiven Effekten verknüpft werden, sodass die Akzeptanz in der Bevölkerung dafür sehr hoch ist – das fehlt in Deutschland häufig, wo Nachhaltigkeit viel zu oft mit Verzicht assoziiert wird. Meist sind es ganz individuelle Lösungen, die sich vielleicht nicht 1:1 kopieren lassen, aber hinter denen eine Denkweise steckt, die wir übernehmen sollten.

In Philadelphia, ca. eine Stunde von New York entfernt, habe ich ein Projekt besucht, bei dem die oberste Ebene eines Parkhauses zu einem öffentlichen Park mit Hügeln und Bäumen umgewandelt wurde. Das bestehende Parkhaus gehört zu einem großen Bauprojekt, für das gemäß den Regularien der Stadt ein Starkregen-Rückhaltetank für eine halbe Million Dollar plus zusätzliche Konstruktionsmaßnahmen notwendig gewesen wären. Das Geld wurde stattdessen in die Begrünung der Dachfläche gesteckt, die das Regenwasser bei Extremwetterereignissen wie ein riesiger Schwamm speichert und erst zeitverzögert in die Kanalisation abgibt, wodurch diese nicht überlastet wird. Durch die Parkfläche ‚über den Dächern‘ heizt sich das Dach im Sommer zudem nicht so sehr auf, ein angenehmes Mikroklima entsteht und der finanzielle Wert des Gebäudekomplexes ist durch die Aufwertung der direkten Umgebung gestiegen.

Resilienzsteigernde Projekte machen unsere Gebäude und Städte im Optimalfall lebenswerter und lohnen sich auch wirtschaftlich. Was wir dafür brauchen, ist ein offenes Denken abseits der ausgetretenen Wege und ein anhaltendes Hinterfragen der bestehenden Art zu bauen!“


Lieber Dominik, wir bedanken uns für das Gespräch!

 

Das Hans Weisser Stipendium ist ein gemeinsames Programm der Hans Weisser Stiftung und der sdw. Es richtet sich an junge Berufstätige sowie Gründerinnen und Gründer bis 40 mit Lebensmittelpunkt in Deutschland zur Durchführung einer individuellen Weiterqualifizierung im Ausland. Mehr Informationen gibt es hier.

Porträt-Foto von Dominik Toni Müller
Foto: privat

Geschichten aus 30 Jahren sdw: Marieke Wede

Alumna unseres Studienkollegs für Lehramtsstudierende (2008-2011) und von TaLea – Tandem Leadership for Learning (2022-2023)

Die Stiftung der Deutschen Wirtschaft feiert in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen. Marieke Wede war von 2008 bis 2011 Teilnehmerin des Studienkollegs für Lehramtsstudierende im Studienförderwerk und im Jahrgang 2022/23 als Lehrkraft bei TaLea – Tandem Leadership for Learning.

Heute arbeitet die Reformpädagogin an der Stadtteilschule Helmuth Hübener in Hamburg und setzt dort ihre Vorstellung von zeitgemäßem Lernen erfolgreich um: Gemeinsam mit Kirsten Ueberholz, Renya Brockmann und Jacqueline Rost, ebenfalls Studienkollegs- oder TaLea-Alumnae, haben sie dort vor drei Jahren einen Profilzug mit dem Titel „Anders lernen in der digitalen Welt“ aufgebaut. Einige unserer Studienkollegs-Geförderten erhielten im Rahmen von Akademie-Veranstaltungen vor Ort schon inspirierende Einblicke in das innovative Projekt.

Mit einem Best-Practice-Vortrag zum Gründen von Reformabteilungen in Schulen werden Marieke und Kirsten auch bei der BiKo 2025 dabei sein! Die aim Bildungskonferenz zeigt Perspektiven für die Bildung der Zukunft. Welche Ideale von zeitgemäßer Schule Marieke verfolgt und wie die sdw sie bislang in der Umsetzung ihrer Veränderungsvorhaben unterstützen konnte, lest ihr in unserem Jubiläums-Interview:

Liebe Marieke, erzähl uns gern mehr über euer Schulprojekt, über deine Rolle und Vision dabei!

Für mich war nach einigen Jahren an einer Gemeinschaftsschule im Hamburger Norden klar, dass ich etwas suche, das ich mitgestalten kann – und dass ich einen Ort suche, der mehr im Einklang mit meinen Vorstellungen von Schule ist. In der Stadtteilschule Helmuth Hübener in Hamburg habe ich dann – zusammen mit drei weiteren sdw-Alumnae – das Schulprojekt „Anders lernen in der digitalen Welt“ ins Leben gerufen. Das heißt, wir haben mit Unterstützung der Schulleitung und der Elternschaft eine kleine Reformabteilung innerhalb der bestehenden staatlichen Gemeinschaftsschule aufgebaut. Wir sind eine Entwicklungsgruppe von aktuell sechs Personen, die den Projektunterricht und das Gemeinschaftsleben in unserer Abteilung verändern und viele neue Ideen ausprobieren möchten. Dazu gehört eine 1:1-Ausstattung mit dem Tablet, zweimal pro Woche eine Versammlung mit soziokratischen Strukturen, Jahrgangsmischung, ein neues Modell für den Ganztag, Community Nights für die Familien, das Beschließen von Projektthemen gemeinsam mit Schüler*innen-, Lehrer*innen und Elternschaft sowie das Lernen ohne Noten bis zur achten Klasse.

Ziel ist es, die Kinder des Profilzugs zu unterstützen, in ein aktives, erfüllendes und friedenstiftendes Leben hineinzuwachsen. Wir halten es für wichtig, sich selbst gut zu kennen, die eigene Kreativität und persönlichen Neigungen zu entfalten, Gemeinschaft gestalten zu können, sich darin zu behaupten, Vorhaben zu entwickeln und durchzuführen. Danach richten wir unseren Projektunterricht aus.

Ich bin dabei verantwortlich für die Finanzen, inkl. der Drittmittelakquise, und für die Umsetzung unseres alternativen Zeugnisformats vom Hamburger Schulversuch „alles>>könner“. Zudem leite ich eine jahrgangsgemischte Stammgruppe und weitere Projekte – wie z. B. „Konflikte klären lernen mit gewaltfreier Kommunikation“.

Welche Rolle spielt(e) die sdw für dich bei der Gründung?

Schon während der Förderung habe ich durch die sdw die Ermutigung erfahren, Schule neu zu denken und viele Referentinnen und Referenten gehört, die mit uns ihre Innovationserlebnisse im Schulsystem geteilt haben. Diesen Rückenwind zu haben, ist ein kostbarer Schatz, den ich mit der Entwicklung des Profilzugs sozusagen jetzt gehoben habe.

Durch die sdw bin ich zudem viel mit Social Entrepreneurship und Mut zur Gründung in Berührung gekommen. Mit der Förderung im Studienkolleg und bei TaLea ist ein Netzwerk gewachsen, das mir jederzeit zur Inspiration und als kritische Mitdenkende zur Seite steht. Bei mir hat die Förderung nicht mit der Förderung geendet. Das bedeutet mir sehr viel.

Wie konnten das Studienkolleg und TaLea dich konkret unterstützen, Schule nach deinen Vorstellungen zu gestalten?

Das Studienkolleg war ausschlaggebend, überhaupt in meinen Beruf zu starten. Im Studienkolleg bin ich auf die Menschen gestoßen, mit denen ich gerne zusammenarbeiten möchte. Leute, die begeistert davon sind, Bildung gestalten zu dürfen und bereit sind, in diesem schwierigen System auch zu arbeiten. Ich war in meiner Situation in meinem Studiengang Lehramt in einer gefühlten Einbahnstraße, die mir gar nicht gefallen hat. Selbst von einer Reformschule (Gesamtschule Bremen Mitte) kommend, war ich mit dem, was ich in meinen Praktika an Schulen gesehen habe, nicht zufrieden. Ich denke, wir brauchen mehr denn je sehr gute Antworten, wie wir unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt gestalten und das kritische, eigenständige Denken fördern können. Für mich fängt das bei sehr guten Lehrkräften an, die den Freiraum bekommen, dafür Lösungen zu finden.

Was unseren Profilzug betrifft, so nahmen wir drei sdw-lerinnen im Rahmen des Studienkollegs an Seminaren zu Projektmanagement, Kommunikation oder mit umfangreichen Planspielen teil. TaLea hat uns dann ermöglicht, das Projekt zwei Jahre lang begleitet weiterzuentwickeln, da wir uns mit unterschiedlichen Konstellationen bei dem Tandem Leadership-Programm beworben haben und dort wiederum sehr viel hilfreichen Input und kritische Rückmeldungen bekommen konnten. Innerhalb des Projekts brauchen wir immer wieder für kleine bis mittelschwere Probleme eine Lösung. Vielleicht ist die Vorstellung von außen, dass ein großes Konzept oder gar eine Konzeptidee ausreicht. Aber in der Realität brauchen wir alle paar Wochen für ein größeres Problem ein eigenes kleines Konzept – zum Beispiel für den Einsatz von Doppelbesetzungen, die konkrete Planung unserer Projektsitzungen oder die Struktur der Versammlung. Auch TaLea konnten wir nutzen, um solche Puzzlestücke für uns zu entwickeln.

Gibt es etwas, das du der sdw noch sagen oder für die nächsten 30 Jahre wünschen möchtest?

Mit eurem klaren Bekenntnis, im Bildungsbereich neue Wege der Förderung zu gehen und die Lehrkräfteförderung so ernst zu nehmen, leistet ihr aus meiner Sicht einen einzigartigen und gesellschaftlich sehr wichtigen Teil. Macht genau so weiter!

Im Besonderen möchte ich Fanny Günthel, Fachleitung Frühe und schulische Bildung bei der sdw, für ihre Unterstützung und Ideen danken und dafür, dass sie stetig den Austausch mit und unter uns geförderten Lehrkräften pflegt!

Porträt-Foto von Marieke Wede
Foto: Frederika Hoffmann/sdw

Geschichten aus 30 Jahren sdw: Lukas Fehlemann

Alumnus des Studienförderwerks Klaus Murmann (2022-2024)

„Die sdw war für mich der Motor, der mich beruflich und persönlich auf die nächste Stufe gebracht hat – eine Organisation, die inspiriert, unterstützt und langfristig prägt.“ Lukas Fehlemann ist Alumnus des Studienförderwerks Klaus Murmann und wurde durch einen Bekannten auf die sdw aufmerksam. Heute blickt er dankbar auf seine Förderzeit zurück, die ihn täglich in seinem Leben beeinflusst. 

Noch vor seinem Studium engagierte sich Lukas im Fußball, wo er als Trainer und Vereinsehrenamtlicher tätig war. Später entwickelte sich dieses Engagement zu einem Nebenjob und bildete schließlich den Ursprung für seine aktuelle Businessidee: Mit seinem Unternehmen KIMAN stellt Lukas recyclebare Sportkleidung her und gibt sein Wissen an zahlreiche ambitionierte Jugendliche weiter: „Die sdw hat mir geholfen, mein unternehmerisches Denken zu schärfen. Besonders die zahlreichen Workshops, unter anderem bei der Start-up-Werkstatt, und der Austausch mit anderen Geförderten haben mir wertvolle Impulse für die Zukunft mitgegeben. In meinem Start-up als auch in meinem Job als Fußballtrainer setze ich viele der erlernten Prinzipien um – darunter vor allem, wie wichtig es ist, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.“

Aktuell ist Lukas mit seiner Masterarbeit beschäftigt. Zum Ende dieses Semesters möchte er sein Studium abschließen und sich danach mehr seinem Unternehmen widmen. Auf die Frage, welche Momente aus der Zeit bei der sdw ihm besonders in Erinnerung geblieben sind, antwortet Lukas zu unserer Freude das gleiche, wie viele andere: die Treffen in der Regionalgruppe.
„Ich empfand es als unglaublich spannend und lehrreich, dass so viele Menschen mit unterschiedlichen Lebenszielen, Studiengängen sowie ehrenamtlichen und kulturellen Hintergründen aufeinandertreffen. Das hat meinen Horizont in vielerlei Hinsicht erweitert. Besonders ein Vortrag einer Mitstipendiatin über die Rechte von Kindern ist mir in Erinnerung geblieben. Aber auch der Unternehmensbesuch bei Boston Consulting in Köln war sehr lehrreich.“

Was er der sdw außerdem mitgeben möchte? „In erster Linie möchte ich mich für die Unterstützung und die vielen Programme bedanken. Die Vernetzung mit jungen, inspirierenden und diversen Persönlichkeiten habe ich sehr genossen und hoffe, dass auch zukünftig viele Studierende diese Chance bekommen werden.“

Porträt-Foto von Lukas Fehlemann
Foto: privat