Rebekka Krause: „Nachhaltige Transformation gelingt nur gemeinsam“

Vor rund einem Jahr ist Rebekka Krause mit dem Hans Weisser Stipendium nach London gegangen, um am University College London (UCL) den Masterstudiengang „Climate, Innovation and Sustainability Policy“ zu absolvieren. Nach mehr als sieben Jahren als Lehrerin und ihrem vielfältigen Engagement in Bildungs- und Nachhaltigkeitsprojekten wollte sie ihr Wissen erweitern und neue Perspektiven gewinnen, um künftig noch stärker an der Schnittstelle von Bildung, Nachhaltigkeit und Innovation zu wirken.
Nun blickt sie zurück: auf ein Jahr voller fachlicher Impulse, internationaler Begegnungen und Erkenntnisse, die ihren weiteren Weg prägen werden.

Rebekka beim Brunch
Foto: privat

Welche Bedeutung hatte das Hans Weisser Stipendium für dich – fachlich, persönlich und im Austausch mit anderen Stipendiatinnen und Stipendiaten?

Das Hans Weisser Stipendium hat mir einen Schritt ermöglicht, den ich ohne die Förderung vermutlich nicht gewagt hätte. Ein Masterstudium in Großbritannien wäre für mich allein mit einem großen finanziellen Risiko verbunden gewesen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Das vergangene Jahr war fachlich wie persönlich unglaublich bereichernd. Ich habe mich intensiv mit Klimapolitik, Governance und nachhaltiger Entwicklung beschäftigt und dabei verstanden, wie eng globale Gerechtigkeit, Innovation und politische Entscheidungsprozesse miteinander verbunden sind. Besonders geprägt haben mich die Perspektiven meiner internationalen Kommilitoninnen und Kommilitonen – insbesondere aus Ländern des Globalen Südens. Ihre Erfahrungen haben meinen Blick auf Klima- und Energiepolitik nachhaltig erweitert.

Auch der Austausch mit den anderen Hans Weisser-Stipendiatinnen und -Stipendiaten war sehr wertvoll. Daraus ist ein Netzwerk entstanden, das weit über die Förderzeit hinaus Bestand haben wird.

Mit deiner Erfahrung als Lehrerin bist du mit einem starken Praxisbezug ins Studium gestartet. Welche Erkenntnisse wirst du künftig in deine Arbeit mitnehmen?

Die wichtigste Erkenntnis ist für mich: Nachhaltige Transformation braucht Zusammenarbeit. Veränderung entsteht nicht allein durch politische Entscheidungen am Schreibtisch, sondern gemeinsam mit den Menschen, die davon betroffen sind.

Besonders überzeugt haben mich Ansätze wie Policy Co-Design und Stakeholder Engagement. Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, unterschiedliche Perspektiven frühzeitig einzubeziehen und Entscheidungen auf einer guten Wissensgrundlage zu treffen – auch dann, wenn Unsicherheit ein Teil des Prozesses bleibt.

Meine Erfahrungen als Lehrerin helfen mir dabei, die praktische Umsetzung im Blick zu behalten. Heute fühle ich mich besser darauf vorbereitet, gemeinsam mit unterschiedlichen Akteurinnen und Akteuren an den Rahmenbedingungen zu arbeiten, die nachhaltige Veränderungen ermöglichen.

Welche Projekte oder Ideen möchtest du nach deiner Rückkehr nach Deutschland voranbringen?

In meinem Abschlussprojekt habe ich gemeinsam mit der Stadt Amsterdam untersucht, wie Kommunen Klimaziele mithilfe von Climate Budgeting systematisch in Haushalts- und Entscheidungsprozesse integrieren können. Besonders überzeugt hat mich dabei der Ansatz, Klimaschutz als Querschnittsaufgabe zu verstehen – und nicht als Verantwortung einzelner Fachbereiche.

Ebenso spannend fand ich das Konzept der Climate Literacy: Einige Städte unterstützen Mitarbeitende aller Verwaltungsbereiche dabei, Klimaschutz stärker in ihre tägliche Arbeit einzubeziehen. Für mich zeigt sich daran: Nachhaltige Transformation gelingt nur, wenn Menschen Veränderungen verstehen, mitgestalten und Verantwortung übernehmen können.

Künftig möchte ich an der Schnittstelle von Klimapolitik, Innovation und öffentlicher Verwaltung arbeiten. Dort sehe ich große Chancen, wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete politische Entscheidungen zu übersetzen und wirksame Veränderungsprozesse anzustoßen. Gleichzeitig möchte ich meine Erfahrungen aus der Bildungsarbeit einbringen – denn Bildung bleibt für mich ein zentraler Schlüssel für nachhaltige Transformation.

Welchen Rat würdest du Menschen geben, die über ein Studium oder eine Weiterbildung im Ausland nachdenken?

Macht es! Für mich bedeutete das Studium, mein vertrautes Umfeld und meinen sicheren Beruf als Lehrerin zu verlassen und mich auf ein völlig neues Fachgebiet einzulassen. Dieser Schritt war mit Unsicherheiten verbunden – aber rückblickend hat er sich in jeder Hinsicht gelohnt.

Ein Auslandsstudium erweitert nicht nur das eigene Wissen, sondern verändert auch den Blick auf die Welt und die eigene Rolle darin. Ich kehre nicht nur mit einem Masterabschluss zurück, sondern mit neuen Perspektiven, wertvollen Begegnungen und dem Vertrauen, mich immer wieder auf neue Herausforderungen einzulassen.

Das Hans Weisser Stipendium hat mir diesen Entwicklungsschritt ermöglicht: den Raum, mich fachlich weiterzuentwickeln, neue Perspektiven kennenzulernen und meine bisherigen Erfahrungen mit neuen Themenfeldern zu verbinden. Ich nehme aus diesem Jahr nicht nur meinen Masterabschluss und neues Wissen mit, sondern auch ein starkes Netzwerk und die Motivation, diese Impulse in meine weitere Arbeit einzubringen.

Vielen Dank für diesen Einblick!

Das Hans Weisser Stipendium ist unser gemeinsames Stipendienprogramm mit der Hans Weisser Stiftung. Es ermöglicht individuelle Weiterqualifizierungen im Ausland.

Ein Blick auf en Regents Canal.
Foto: privat
Gebäude des University College of London
Foto: privat
Schafe in East-Sussex
Foto: privat