Ein wichtiger Beitrag zu Inklusion und Diversität

„Meine Motivation war stets, die Lebensqualität von Menschen mit Medizinrobotik zu verbessern.“

Neue Wege zu gehen, das war für unseren Alumnus Prof. Dr. Fabian Just schon in seiner Zeit als Stipendiat des Studienförderwerks Klaus Murmann ein wichtiges Anliegen. Wenn er heute zurückblickt, ist er dankbar für die ideelle und finanzielle Förderung, für die Chancen zum Wachsen und für ein Netzwerk, in dem aus Mitstipendiatinnen und Mitstipendiaten Freundschaften und viele gemeinsame Projekte entstanden.

Diesen Gestaltungswillen bringt Fabian heute mit großer Leidenschaft in seine Forschung ein. Fragt man ihn nach seiner Motivation, kommt die Antwort schnell: „Technik entwickeln, die im Alltag eines Menschen zu besserer Lebensqualität führt.“

Damit hat er sich schon früh beschäftigt. Nach Bachelor- und Masterabschluss in Elektro- und Computeringenieurwesen an der Purdue Universität in den USA sowie in Automatisierungstechnik an der Ruhr-Universität Bochum promovierte er an der ETH Zürich in Rehabilitationsrobotik. Anschließend leitete er drei Jahre lang eine Forschungsgruppe an der Chalmers Universität in Göteborg, die an international führenden knochenintegrierten Armprothesen mit Tastsinn arbeitet.

Porträtfoto von Prof. Dr. Fabian Just
Foto: privat

„Technologie wird nicht besser, wenn nur Entwicklerinnen und Entwickler darüber reden, sondern wenn die Menschen, für die sie gedacht ist, von Anfang an mitgestalten.“

„Schon im Studium habe ich daran gearbeitet, das Zittern von Menschen mit Parkinson aus der Joysticksteuerung ihres Elektrorollstuhls herauszurechnen, damit der Rollstuhl wieder genau dorthin fährt, wohin der Mensch will. Was mich damals bewegt hat, war die Erkenntnis, wie viel Lebensqualität Medizinrobotik zurückgeben kann. Diese Erfahrung hat mich nicht mehr losgelassen. An der ETH Zürich durfte ich die jüngste Generation des Armexoskeletts ARMin entwickeln und wir haben wichtige Fortschritte in der Armrehabilitation nach Schlaganfall erreicht. Unser Prothetiksystem in Göteborg ist die weltweit erste Armprothese, die dauerhaft mit dem Knochen verbunden ist, direkt über Nerven gesteuert wird und Berührungen ans Gehirn zurückmeldet, mit einer rund zehnmal präziseren Steuerung als bei herkömmlichen Prothesen. Für die Teilnehmenden ist sie tatsächlich lebensverändernd, einige tragen sie seit über zwölf Jahren im Alltag.

Seit dem vergangenen Jahr ist Fabian Professor an der Universität Ulm für Rehabilitation Robotics & Mental Health Technology. Mit seinem Team entwickelt er assistive Robotik für Menschen, unterstützt durch KI und maschinelles Lernen. Konkret heißt das: intelligente Arm- und Handprothesen, Rehabilitationsroboter, oder robotische Alltagshilfen, die kontinuierlich Daten erfassen, integriert in Orthesen oder direkt in der Kleidung. „Unser Ziel ist es, als eines der ersten biomedizinischen Institute in Deutschland mit Hilfe von Robotik und KI eine wirklich ganzheitliche Rehabilitation anzubieten, körperliche und mentale Genesung als das zu behandeln, was sie in Wahrheit sind: zwei Seiten derselben Medaille. Da liegt noch viel Arbeit vor uns, aber genau das macht es spannend.“

Für Menschen nach neurologischen, traumatischen oder orthopädischen Ereignissen können solche Entwicklungen einen großen Unterschied machen. „Es geht darum, Menschen Unabhängigkeit und Selbstverständlichkeit zurückzugeben. Dinge tun zu können, ohne darüber nachdenken zu müssen, zum Beispiel mit Handprothesen, die sich intuitiv steuern lassen und über natürliche Nervstimulation ans Gehirn zurückmelden, wie sich der Apfel in der Hand anfühlt.“

Bei allem technischen Fortschritt ist Fabian bewusst, dass der Weg zu echter Teilhabe noch weit ist. Genau hier setzt auch sein ehrenamtliches Engagement an. Vor zehn Jahren war er Mitgründer des CYBATHLON an der ETH Zürich, einer Olympiade für Menschen mit Behinderung und ihren Hilfsmitteln. Für Fabian ein großer Moment und gleichzeitig ein ehrlicher Spiegel: „Über die Jahre, 2016, 2020, 2024, hat der CYBATHLON gezeigt wie weit die Technik gekommen ist und wie weit der Weg bis zu wirklich unabhängiger Alltagsbewältigung noch ist. Menschen mit Behinderung werden im Alltag immer noch eingeschränkt, und Technologie kann das bislang nur abmildern. Großartig war zu sehen, wie Teams aus aller Welt zusammenkamen und Presse, Politik und Öffentlichkeit gemeinsam hinschauten. Vor allem aber hat mir der CYBATHLON eines gezeigt: Technologie wird nicht besser, wenn nur Entwicklerinnen und Entwickler darüber reden, sondern wenn die Menschen, für die sie gedacht ist, von Anfang an mitgestalten. Genau das macht Inklusion und Diversität in Forschung und Arbeitswelt für mich aus.“

Beim CYBATHLON versucht ein Mann mit einer Armprothese ein Messer auf einem Tisch zu platzieren.
Foto: ETH CYBATHLON

Der CYBATHLON

Vor zehn Jahren war Fabian Mitgründer des CYBATHLON an der ETH Zürich, einer Olympiade für Menschen mit Behinderung und ihren Hilfsmitteln.

CYBATHLON – for a world without barriers

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