Einfach mal machen. 

Meet Valentin Eckmann – Stipendiat des Studienförderwerks Klaus Murmann und des Aufbruchstipendiums der School of Transformation, der mit PowerPerspectives ein preisgekröntes Projekt aufgebaut und damit gezeigt hat, wie aus Eigeninitiative nachhaltige Wirkung entsteht. Im Interview spricht er über prägende Erfahrungen im Stipendium, Selbstwirksamkeit und den Weg von der Idee zur Auszeichnung.

Hi Valentin, wie bist du auf das Studienförderwerk Klaus Murmann aufmerksam geworden?

„Ich habe mich mit verschiedenen Begabtenförderungswerken beschäftigt und dabei gemerkt, dass die sdw inhaltlich und vom Selbstverständnis her am besten zu mir passen könnte. Dann habe ich mich einfach mal beworben und es hat geklappt!“

Welche Momente waren für dich während des Stipendiums besonders prägend?

„Über die Auslandsförderung konnte ich ein Semester auf Hawaiʻi verbringen. Dabei bin ich in die Welt der Marine Science eingetaucht. In Zusammenarbeit mit verschiedenen NGOs habe ich zum Thema Meeresplastik geforscht und begab mich auf mehrtägige Wanderungen in abgelegene Küstenregionen. Dabei habe ich viele neue Freunde kennengelernt und ein unvergessliches Abenteuer erlebt.

Ein weiteres Highlight war die Teilnahme an der National Model United Nations in New York mit der sdw-Delegation. Gemeinsam mit Freundinnen und Freunden aus der Stiftung sind wir sogar noch mehrere Wochen mit einem Camper durch den Nordosten der USA und Kanada gereist. Außerdem war ich auf zahlreichen Veranstaltungen europaweit und in vielen deutschen Städten. 

Das war zum einen beruflich prägend, da dieser Blick über den Tellerrand mich beispielsweise in den Vorstand des Bundesverbands Junge Energie geführt hat. Zum anderen sind auf der menschlichen Ebene teils sehr enge Freundschaften entstanden. Genau diese Kombination macht die Zeit für mich so besonders und hat mir gezeigt, wie sehr die Stiftung mich dazu ermutigt, Dinge einfach mal auszuprobieren und neue Chancen zu ergreifen.“

Wer oder was inspiriert dich in deinem Denken und Handeln und gibt es ein Motto, das dich antreibt?

Einfach mal machen. Natürlich nicht planlos in Aktionismus verfallen, aber das Momentum eines Neuanfangs, einer Idee nutzen. Ins Handeln kommen, statt alles ewig im Kopf zu drehen.“

Was ist eigentlich PowerPerspectives und wie kam es dazu?

„PowerPerspectives ist ein studentisches Projekt der Universität Stuttgart, in dem wir komplexe Themen der Energiewende für junge Menschen verständlich und wissenschaftlich fundiert aufbereiten. Das Projekt war auch Teil meines Aufbruchstipendiums der School of Transformation. Wir erstellen kurze, faktenbasierte Social-Media-Videos, die technische Zusammenhänge anschaulich erklären. Dabei verfolgen wir das Ziel, mehr Orientierung in energiepolitischen Debatten zu schaffen und fundiertes Wissen dort zugänglich zu machen, wo es sonst oft fehlt.

Die Idee entstand tatsächlich während einer Zugfahrt von Stuttgart nach Hamburg. Ich habe mich gefragt, wie wir als Studierende auf den wachsenden Fachkräftemangel in der Energiewende reagieren und dabei gleichzeitig der Kritik an klimafreundlichen Technologien entgegentreten können. Außerdem hatte ich durch frühere Kurzfilmprojekte und meine Ambitionen aus Schulzeiten, Filmmusiker zu werden, bereits einen starken Bezug zu audiovisuellen Formaten. Durch PowerPerspectives wurde mir klar, dass wir dort anknüpfen müssen, wo die Diskussionen tatsächlich stattfinden.“

Was hat dich während deines Projekts besonders geprägt?

„Für mich steht dabei ganz eindeutig das Thema Selbstwirksamkeit im Zentrum. Ich habe mich gefragt, wie ich mein persönliches Interesse mit gesellschaftlichem Nutzen verbinden kann. Daraus ist ein Projekt entstanden, das mir im Nachhinein mehr Türen geöffnet hat, als ich es mir je erträumt hätte.

Im Rahmen von PowerPerspectives war ich zwei Wochen auf Recherchereise in Norwegen. Dort durfte ich mein Projekt auf zwei großen Branchentreffen auf der Bühne vorstellen und habe dadurch nicht nur Kooperationsanfragen, sondern auch diverse Jobangebote erhalten. Außerdem bin ich durch die Menschen, die ich über das Projekt kennengelernt habe, auf das Energiereporter-Programm der Stiftung Energie und Klimaschutz aufmerksam geworden und habe in den vergangenen Jahren mehrere Beiträge dafür veröffentlicht. Heute betreue ich im Rahmen von PowerPerspectives sogar eine Lehrveranstaltung an meiner Universität.

All das wäre nicht passiert, wenn ich vor zwei Jahren nicht angefangen hätte, an dieser Idee zu arbeiten und selbst die Initiative zu ergreifen.“ 

Welche Learnings nimmst du mit oder was würdest du rückblickend anders machen?

„Meine größte Lernkurve lag klar in der Führungsrolle. Für mich war es neu, nicht nur für ein Projekt, sondern auch für Menschen und ihre Prozesse Verantwortung zu übernehmen – und gerade am Anfang war das durchaus herausfordernd. Besonders herausfordernd war es, mehrere Teilprojekte gleichzeitig zu koordinieren, obwohl ich nicht in allen Themen inhaltlich tief eingebunden war.

Rückblickend hätte ich früher mehr Struktur schaffen sollen. Das habe ich später bewusst nachgeholt, indem ich Abläufe klarer definiert und gezielt Werkzeuge eingesetzt habe.“

Für das Projekt PowerPerspektives wurdest du für den Nachhaltigkeitspreis der Universität Stuttgart nominiert. Wie war der Moment für dich, als du den Preis überreicht bekommen hast? 

„Ich dachte mir nur ‚wow‘. Auch wenn ich PowerPerspectives von Anfang an aus eigenem Antrieb vorangebracht habe, bedeutet diese Form der Wertschätzung wirklich viel.

Zu sehen, dass die viele Arbeit, die in dem Projekt steckt, von meiner Universität im Rahmen einer offiziellen Auszeichnung für nachhaltiges Engagement anerkannt wird, macht mich stolz und bestärkt mich, das Projekt weiter voranzutreiben.

Ich hatte schon vorher das Gefühl, dass PowerPerspectives auf offene Ohren stößt, aber die Auszeichnung hat das Projekt für potenzielle Kooperationspartner noch einmal deutlich attraktiver gemacht.“

Wie geht es für dich und dein Projekt nach dem Erhalt des Nachhaltigkeitspreises weiter?

„PowerPerspectives war für uns nie als Projekt auf Zeit gedacht. Umso mehr freut es uns, dass es ab dem kommenden Semester an unserer Universität als Modul belegt werden kann. Damit ist ein wichtiger Schritt getan, denn wir hoffen, dass das Projekt langfristig im Lehrplan verankert bleibt und von neuen Studierendengenerationen weiterentwickelt wird.

Inhaltlich geht es aktuell mit vielen neuen Videoprojekten weiter. Sie beschäftigen sich beispielsweise mit Pumpspeicherkraftwerken und Naturschutz, Offshore-Windenergie und vielen weiteren Themen. Außerdem betreue ich derzeit fünf Studierende in ihren individuellen Projekten und ich merke einfach, wie viel Dynamik darin steckt. Erst im Januar waren wir gemeinsam bei einem Pumpspeicherkraftwerk in Österreich.“

Hast du einen Tipp für potenzielle Bewerberinnen und Bewerber, die am Anfang ihres Studiums stehen?

„Mein Tipp ist, sich einfach ins kalte Wasser zu trauen. Das heißt, bewusst die eigene Komfortzone zu verlassen und das eigene Glück herauszufordern. Sei es durch ein Auslandssemester, einen Bühnenauftritt oder einen Pitch, bei dem man zunächst zögert.

Das sind die Momente, in denen man sich traut, Neues auszuprobieren. Sie bieten meiner Meinung nach die größten Chancen, die eigenen Stärken zu entdecken und daran zu wachsen. Dabei spielt das Umfeld eine riesige Rolle. Gerade in der sdw habe ich an meinen Peers entdeckt, was alles möglich ist.“

Vielen Dank, lieber Valentin, für das motivierende und spannende Gespräch. Wir freuen uns solche Talente wie dich in der Förderung zu haben und wünschen dir für deine kommenden Projekte weiterhin viel Erfolg und alles Gute!

Valentin Eckmann hält einen Vortrag.
Foto: Marc Wiegelmann/Omexom
Valentin Eckmann lächelt in die Kamera.
Foto: privat